Ausgrabungspause

Pustekuchen, lieber Leserinnen, liebe Leser. Unser Team macht Weihnachtspause. Die Grabungen im ITZ Archiv werden vorübergehend eingestellt, ab 10. Januar 2014 sind wir wieder da. Dann geht es weiter mit Sortier- und Aufräumarbeiten sowie der Präsentation interessanter Fundstücke. Wir wünschen einen guten Start in das Jahr 2014.

Treuhänder des Volkes

jfn. Leserinnen und Leser gestalten ihre Zeitung – mit Leserbriefen, Telefonaktionen, bei Leserkonferenzen oder auf Ratgeberseiten. In vielen Redaktionen wird das Konzept „Bürgerzeitung“ kritisch gesehen: viel Aufwand, so die Meinung, und auf Dauer funktioniert es ohnehin nicht. Bei der 9. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“, die am 3. November 2009 in Braunschweig stattfand, wurde ein positives Beispiel untersucht.
Das Thema der eintägigen Veranstaltung lautete: „Die Zeitung der Zukunft – eine Bürgerzeitung“. Kooperationspartner: die Braunschweiger Zeitung (BZ). Die Lösung: ein preisgekröntes Konzept.
Im August 2009 gab es von der Konrad Adenauer Stiftung den Deutschen Lokaljournalistenpreis für eine Bürgerzeitung, die es in sich hat. Der damalige Chefredakteur Paul-Josef Raue, im Jahr 2013 Chefredakteur bei der Thüringer Allgemeinen in Erfurt, ging mit dem Begriff „Bürgerzeitung“ selbst eher kritisch um: „Eine Zeitung ohne selbstbewusste Bürger ist ja Unsinn.“
Der Begriff „Bürgerzeitung“ bezeichne das genaue Gegenteil von dem, was sogenannte Leserreporter tun: „Wir machen Zeitung mit dem Bürger.“ Raue wollte die Medien nicht als „vierte Gewalt“ verstanden wissen, auch wenn er ihnen ausdrücklich die Aufgabe zuordnete, „die Politiker zu kontrollieren“. Der Chefredakteur beschrieb Journalistinnen und Journalisten als „Treuhänder des Volkes“. Wir müssen herausbekommen, was die Leser wollen. Wir besorgen ihnen die Information, die sie sich selbst viel zu mühsam zusammensuchen müssten.“
Leserinnen und Leser wollten ihre Meinung und ihre Lebenswirklichkeit in der Zeitung wiederfinden. Sie wollten auf Augenhöhe respektiert werden – etwas, das Politikern kaum mehr gelinge. Raue wusste aber auch, dass „man auf uns locker verzichten könnte, wenn wir unsere Aufgabe nicht wahrnehmen.“
Auf 50 Elemente war der Katalog für das Projekt Bürgerzeitung seit 2003 bis 2009 in einem stetigen Prozess gewachsen. Einige Kernelemente, darunter die Leserkonferenz und der Ombudsrat, stellte Paul-Josef Raue bei der 9. ITZ-Zukunftswerkstatt vor.
Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.

ITZ Workshop „Alles was Recht ist“

ITZ. Juristisch schwierige Grenzfälle gehören zum Alltag von Journalistinnen und Journalisten. Der
ITZ Workshop „Alles was Recht ist“ zeigt, wie Redaktionen auch ohne eigene Rechtsabteilung Zweifelsfragen mit „Bordmitteln“ auf mögliche Folgen hin abklopfen können. Und wie sie gut mit Beschwerden umgehen.
An Praxisfällen orientiert und unter Einbeziehung von Fragestellungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vermittelt das Seminar praxisnahe Aspekte des Presserechts und des Persönlichkeitsrechts.
Es referieren:
Dr. Yvonne Kleinke, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht in Berlin sowie auf den Gebieten des Wettbewerbs- und Arbeitsrechts tätig.
Dr. Oliver Stegmann, Rechtsanwalt in Hamburg, zuvor Justitiar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Prof. Dr. Johannes Weberling, Rechtsanwalt in Berlin und Professor an der Europauniversität Viadrina in Frankfurt/Oder.
Termin und Ort: 12. und 13. Februar 2014 in Potsdam. Veranstalter: ITZ Initiative Tageszeitung
http://www.initiative-tageszeitung.de

Gesucht: Informationsbroker

jfn. Wer die Jüngsten der Gesellschaft beobachtet, weiß, wohin die Reise geht. Multimedial – für Kinder ein Klacks. Smartphone, Tablets und Internet beherrschen schon Dreijährige spielerisch, Fernsehen ist Alltag, Radio gerät ins Abseits. Und Printprodukte? Ein Markt wie nie zu vor: Das gute alte Kinderbuch läuft in den letzten Jahren zur Höchstform auf. Nicht selten wurden erfolgreiche Kinderbücher für Fernsehen und Kino adaptiert, Hörbücher herausgegeben oder in Websites aufbereitet. Für Kinder eine Selbstverständlichkeit. Sie sind es gewohnt, dass ein Produkt über mehrere Kanäle verfügbar ist. Crossmedial heisst das Zauberwort.

Crossmedia bezeichnet die Kommunikation über mehrere inhaltlich, gestalterisch und redaktionell verknüpfte Kanäle. Der Begriff wurde in der Medienbranche zunächst im Online-Journalismus entwickelt. Heute werden im gesamten Journalismus crossmediale Konzepte eingesetzt. Mit starken Auswirkungen auf das Berufsbild und die Arbeitswelt der Redakteurinnen und Redakteure. Mit diesen Veränderungen setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 5. ITZ-Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ auseinander. Das Thema: „Crossmedial und multioptional – Zukunftsszenarien für journalistische Arbeitsplätze“ lautete. Die Zukunftswerkstatt fand am 4. März 2008 in Kooperation mit der Rhein-Zeitung in Koblenz statt.

Crossmediales Denken und Arbeiten gehörte im Jahr 2008 längst zum Redaktionsalltag von Tageszeitungen. Das Printmedium dehnte sein Angebot auf Online, Web TV, Podcast und andere Formen aus. Die Lösungen in den Verlagshäusern sind indessen bis heute sehr unterschiedlich. Von „online first“ bis hin zu „Crossmedia-Storytelling“ ist alles vertreten.

Für Joachim Türk, damaliger Chefredakteur der Koblenzer Rhein-Zeitung, waren die Prioritäten 2008 klar: „Wir glauben an die Zeitung. Ohne Zeitung ist dieses Unternehmen nichts wert.“ Gleichzeitig will und wollte die Rhein-Zeitung die Informationskanäle bedienen, die von den Leserinnen und Lesern benutzt werden: Internet, Handy, Radio. Um die Inhalte „zentral zu sammeln, abzuschmecken und in die verschiedenen Kanäle zu verteilen“, entschied sich die Rhein-Zeitung sich im Frühjahr 2007 für die Einrichtung eines „Newsdesks“. Von hier aus werden Schwerpunkte bis ins Lokale hinein gesteuert. Themen werden aufgespürt und als Projekt für alle Verbreitungskanäle begriffen. Konsequent werden vom Newsdesk der Rhein-Zeitung aus auch die weiteren Medien RPR1 (Rheinland-Pfalz-Radio 1), www.rhein-zeitung.de und Web TV bedient.

In den Arbeitsgruppen der 5. ITZ-Zukunftswerkstatt wurden die weitreichenden Konsequenzen dieser Entwicklung diskutiert. Es ging um Aus- und Weiterbildung, Redaktionsalltag und Qualität. Für Türk stand fest: „Wir brauchen Informationsbroker, die unseren Lesern Nachrichten in der richtigen Form zur richtigen Zeit anbieten“, so sein Fazit.

Die Dokumentation der 5. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.

Pflicht zur Weiterbildung

ssd. „Wie sichern wir Qualität und Innovation?“ Das war das Thema der 1. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“, die in Kooperation mit der Neuen Westfälischen Zeitung am 14. Juni 2007 in Bielefeld stattfand.
Qualität kommt vom lateinischen Wort „Qualitas“, was soviel bedeutet wie „Eigenschaft“ oder „Beschaffenheit“. Beide Begriffe sind erst einmal wertungsfrei und können sowohl positiv als auch negativ ausgelegt werden. „Qualität im Journalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln“, lässt sich Prof. Dr. Stephan Ruß-Mohl von der Università della Svizzera italiana in Lugano gerne zitieren.
Der damalige NW-Chefredakteur Dr. Uwe Zimmer skizzierte 2007 die Bemühungen der Redaktion, „die Zeitung an die Leser zu kriegen“. Zeitungen müssten zwischen Qualität und Quote jonglieren: „So viel Qualität wie möglich, so viel Quote wie nötig, ist das Credo einer Qualitätszeitung. Am Boulevard geht’s genau andersrum.“
In Zeiten eines knallharten Wettbewerbs um Aufmerksamkeit, Zeit und Geld der potenziellen Zielgruppen musste sich auch die NW immer wieder die Frage stellen: „Weshalb soll man die NW kaufen? Was ist der USP (unique selling proposition, das einzigartige Verkaufsargument)? Was sind wir und was können wir?“
Nur im Lokalen können die Zeitungen heute ihre Qualitäten ausspielen. In den Redaktionen, so der erfahrene Chefredakteur Zimmer, gehe es darum, ein Qualitätsbewusstsein zu erzeugen und tagtäglich daran zu arbeiten, dass einmal definierte Standards auch eingehalten werden. An Qualität arbeiten bedeutete für Zimmer auch, dass Redakteurinnen und Redakteure an ihrer persönlichen Qualität und geistigen Mobilität arbeiten: „Es gibt eine Pflicht zur Weiterbildung!“
Mit Blick auf die „Zeitung 2011“ prognostizierte Zimmer eine Beschleunigung des Auflagenrückgangs allein schon durch die demographische Entwicklung. Hinzu komme die Tatsache, dass es immer noch keine wirksamen Maßnahmen gibt, um den Rückgang besonders bei jungen Leserinnen und Lesern zu stoppen.
Für die Journalistinnen und Journalisten der Zukunft sah er 2007 die Herausforderung der multimedialen Arbeitsorganisation und die zunehmende Spezialisierung. Permanente Schulung und konsequente Weiterbildung seien unabdingbar – „doch wenn Sie mich fragen, ob Sie unter dieser Voraussetzung künftig sichere Arbeitsplätze haben werden, kann ich Ihnen nur sagen: Nein! Sie haben nur eine Chance, wenn Sie richtig gut sind.“

Die Dokumentation der 1. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ steht auf der Website der ITZ:
http://www.initiative-tageszeitung.de/fileadmin/seminare/itz_zukunft1_bi_14_06_07.pdf

ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“

ssd. Wie können wir sogenannte „High Potentials“ identifizieren, sie für die Zeitung begeistern und junge Talente an uns binden? Diese Fragen waren Grundlage für die Konzeption der ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“.
Mehr als 175 junge Journalistinnen und Journalisten im Alter von maximal 35 Jahren haben von 2007 bis 2011 an den eintägigen Workshops teilgenommen. Bei elf Terminen wurden Themen diskutiert, die sich an den speziellen Arbeitsweisen der jeweiligen Kooperationspartner orientiert haben.
In allen Zeitungshäusern standen Mitglieder der Chefredaktionen als Gesprächspartner zur Verfügung. Neben der fachlichen Information ging es in den Diskussionen um Fragen nach Perspektiven am Beginn eines langen Berufslebens. Die jungen Kolleginnen und Kollegen wollten von den erfahrenen Radaktionsmanagern wissen, wie sie sich durch kontinuierliches Lernen fit für die Herausforderungen der Zukunft halten können.
Eine durchgängige Frage war: Wie verfolge ich die rasanten Veränderungen in der Medienbranche, wie kann ich diese in meine Alltagsarbeit integrieren? Besonders die Anforderungen an „Crossmediales Arbeiten“ haben zu der Zeit den Nachwuchs in den Zeitungsredaktionen beschäftigt.
Der Versuch der ITZ, den Kontakt zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu halten, ist gescheitert. Nahezu drei Viertel wechselten in kurzer Zeit die Redaktionen und meldeten diesen Wechsel nicht. Viele wurden nach dem Volontariat oder einer Zeit als feste freie Mitarbeiter nicht übernommen. Zahlreiche haben es abgelehnt, für deutlich weniger Geld als die etablierten Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen zu arbeiten. Nicht wenige haben die andere Seite des Schreibtischs gewählt und eine Karriere in der PR oder in der Unternehmenskommunikation begonnen.
Zitat eines jungen Vaters am Ende eines Workshops: „Wie soll ich mich bei den nicht kalkulierbaren Arbeitsbedingungen in der Lokalredaktion um unsere Kinder kümmern können?“ Antwort einer taffen Dreißigjährigen, die ohne Zweifel zu den Talentiertesten gehörte: „Das kannst Du Dir abschminken. Es gibt für uns Junge nur wenige feste Jobs und die sind auch noch schlecht bezahlt. Und wer im Lokalen arbeitet, muss immer mit Unwägbarkeiten rechnen. Als junge Mutter bist Du schnell unten durch. Da wechsle ich doch lieber in die Unternehmenskommunikation.“ Hat sie auch gemacht.
Die elf Termine der ITZ Workshop-Reihe sind umfangreich dokumentiert worden. Zu finden im Bereich Seminare auf der ITZ Website:
http://www.initiative-tageszeitung.de/index.php?id=11

Hier war die ITZ zu Gast:

1. Neue Westfälische Zeitung, Bielefeld: 14. Juni 2007
Thema: „Qualität kommt von quälen – wie sichern wir Qualität und Innovation?“

2. Fränkischer Tag, Bamberg: 18. Juli 2007
Thema: „Dialog mit Lesern – wer macht wen an?“

3. Main-Post, Würzburg: 25. September 2007
Thema: „Weg mit den Quotenkillern – der gescannte Leser“

4. Göttinger Tageblatt, Göttingen: 29. Januar 2008
Thema: „Alle werden immer älter  – die Demographie schlägt auch in den Redaktionen zu“

 5. Rhein-Zeitung, Koblenz: 4. März 2008
Thema: „Crossmedial und multioptional – wie nutzen Zeitungen ihre Plattformen?“

6. Neue Osnabrücker Zeitung, Osnabrück : 27. Mai  2008
Thema: „Managing Community – wie nutzen Zeitungen ihre Plattformen?“

7. NRZ Neue Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung, Essen: 11. Juni 2008
Thema: „Berufsperspektiven junger Journalistinnen und Journalisten – wer bezahlt mich wofür?“

8. Main-Echo, Aschaffenburg: 13. Oktober 2009
Thema: „18 Monate danach: Die Wandlung einer Zeitung“
Umstellungen und ihre Folgen; Start des neuen Redaktionssystems

9. Braunschweiger Zeitung, Braunschweig: 3. November 2009
Thema: „Die Zukunft der Zeitung – eine Bürgerzeitung“

10. dpa Deutsche Presseagentur, Berlin: 1. Dezember 2010
Thema: „dpa – Alles neu in Berlin. Crossmediales Arbeiten in der vernetzten Medienwelt“

11. Fachhochschule des Mittelstands, Köln, Fachbereich Medienkommunikation und Journalismus: 15. Februar 2011
Thema: „Fit für die Zukunft? Perspektiven und Karriereorientierung am Beginn eines langen Berufswegs“

 

Journalismusstiftung, staatsfern

ssd. 1,6 Millionen Euro: Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat am 13. Dezember 2013 die Gründung einer Journalismusstiftung mit dem schönen Namen „Vielfalt und Partizipation“ beschlossen und für die „Förderung innovativer Angebote der Aus- und Fortbildung von Journalisten“ einen durchaus respektablen Jahresetat zur Verfügung gestellt. Schließlich soll die Akzeptanz von Qualitätsjournalismus gefördert werden.
Die von Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann ins Gespräch gebrachte Professur für Lokaljournalismus und Recherchestipendien scheinen vorerst vom Tisch. LfM-Direktor Jürgen Brautmeier betont die Staatsferne der Stiftung, die durch das Andocken an die LfM gesichert sei. Die Stiftung wird als gemeinnützige GmbH gegründet. So werden Türen für weitere Gesellschafter, vor allem Partner aus der Medienbranche, geöffnet.
Wenn sich Brautmeiers Pläne durchsetzen, stehen wir vor einem unerhörten Wandel in der NRW-Bevölkerung. Wichtig ist ihm vor allem, den „Mediennutzern ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass Qualität im Journalismus durchaus seinen berechtigten Preis hat.“
Die LfM Pressemitteilung zum Thema steht hier.

Eine symbiotische Beziehung

ssd. 25 Jahre Initiative Tageszeitung, 25 Jahre für die noch bessere Zeitung. Mit diesem Anspruch feierte die ITZ Initiative Tageszeitung am 18. November 2011 ihr 25. Jubiläum in Berlin. Der Tag stand unter der Überschrift „Pressefreiheit braucht journalistische Qualität – Journalistische Qualität braucht Pressefreiheit“. Als Hauptredner konnte der Hamburger Verleger Gerd Schulte-Hillen gewonnen werden, langjähriger Vorstandsvorsitzender von Gruner & Jahr.
Zu seinen persönlichen Niederlagen im Bemühen um Qualität gehörte für Schulte-Hillen in seiner Amtszeit der Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher im Stern. Für die ITZ wurde der Verleger grundsätzlich, grub in der Historie und blickte über den nationalen Gartenzaun: „Pressefreiheit und journalistische Qualität: Eine symbiotische Beziehung.“
Auszüge: In einer lebendigen Demokratie kann der Bürger bei einer anspruchsvollen fleißigen Presse in allen Fragen, die ihn betreffen, sachverständig sein. Und diejenigen, die nachlässig arbeiten, Steuergeld vertun oder rechtswidrig die Umwelt belasten, müssen mit harscher Kritik rechnen. Natürlich hat die Presse auch eine Wächterfunktion. Dem Unternehmer gegenüber, dem Staat und seinen Institutionen gegenüber. Überall sitzen oder stehen Menschen und entscheiden, meist wohl überlegt und nach bestem Wissen – aber manchmal auch von anderen Zielen beflügelt oder schlicht nachlässig.
Hier hat die Presse kritisch zu sein und immer aus selbstbewusster Distanz jene zu beobachten, die Macht verwalten. Sei es der Staat, die Wirtschaft oder seien das karitative Institutionen wie Krankenhäuser, Altenheime, Kinderheime, Internatsschulen, kirchliche Organisationen oder Sportveranstaltungen. Das kann und soll alles ohne Fehl und Tadel sein. Aber kritisch hinzusehen, kann auch der Beginn des Vertrauens sein. Manchmal aber auch genau das Gegenteil.
Journalisten müssen immer neugierig sein und mehr wissen wollen. Richtig wissen, durchdringen, verstanden haben! Nicht an der Oberfläche bleiben, sondern Details untersuchen und den Gesamtvorgang verstehen. Erst danach dürfen sie tadeln oder loben oder berichten, was ist. Einer solchen Presse vertraut der Leser, der nicht selber alles prüfen kann. Die Arbeitsteilung ist gewollt. So wird der wissensdurstigen Leser informiert und gewinnt Zeit, seine eigene Arbeit exakt und gut zu machen.
Exaktheit ist eine preußische Tugend. Wenn die deutsche Industrie in einer Zeit hoher Innovation und Veränderung strahlend dasteht, trotz der aus Fahrlässigkeit entstandenen Finanzkrise, trotz nachlassender Nachfrage in benachbarten Volkswirtschaften, so hat das Gründe. Wir arbeiten nicht alle isoliert vor uns hin, sondern sind Teile eines Hochleistungsnetzes, in dem unvollkommene Arbeit alle bremst. Wir sind keine Roboter, sondern konzentrierte Fachkräfte, die mit Recht auf das gemeinsam Geschaffene schauen und sich freuen und stolz sind, wenn es gut geworden ist. Diesen Schwung müssen wir beibehalten.
Die vollständige Rede steht auf der ITZ Website.

Blick zurück nach vorn

ssd. 1986, das Jahr der Gründung der ITZ Initiative Tageszeitung. Im selben Jahr erschien im ECON Verlag in Düsseldorf das schmale Bändchen „Vom Zeitungsverkauf zum Zeitungsmarketing“, das mit leicht vergilbten Seiten im Bücherregal der ITZ steht. Die Veröffentlichung der Schrift hatte der Verleger Dietrich Oppenberg mit Mitteln der Pressestiftung RWV ermöglicht.
Das Buch beinhaltet das überarbeitete Protokoll einer Arbeitssitzung des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, die im Oktober 1985 in Bonn stattgefunden hatte. Es ging um „Die Wettbewerbsposition der Zeitung in einer veränderten Medienlandschaft“. Peter Tamm war zu der Zeit Vorsitzender des Vorstands der Axel Springer AG, die 2013 ihr Regionalzeitungsgeschäft zu den Akten gelegt hat. Tamms Statement als Fazit einer Analyse „Die Problemstellung“: „Die Zeitung lebt von ihrem Inhalt, von ihrem verlegerischen Auftrag, von ihrer Machart. Das aber heißt vor allem: Solider Journalismus, Kreativität und Lebendigkeit, Gespür für Leserwünsche. Das ist der eigentliche Kern, der darüber entscheidet, ob eine Tageszeitung Erfolg hat oder nicht.“
Herausgeber Oppenheim beschreibt in seinem Vorwort die spürbare Aufbruchstimmung auf der Verlegertagung, die durch das Motto „Zurück zur Zeitung“ gekennzeichnet war. Sein Fazit im Jahr 1986: Die Verleger hätten „viel zu lange viel zuviel Aufmerksamkeit auf die ‚neuen Medien‘ gerichtet, während doch ihre eigentliche Aufgabe und ihre Chance in der Zeitung liegt.“ Und: „Deutschlands Zeitungsverleger beginnen zu erkennen, daß sie ihr Produkt wie einen Markenartikel im immer härter umkämpften Markt platzieren und führen müssen.“
Viele der Zitatgeber des Buches leben heute nicht mehr. Ihre damaligen Analysen und Empfehlungen aber sind an vielen Stellen verblüffend aktuell. Das gilt auch für den Vorgängertitel „Zeitungsverkauf in den 80er Jahren“, den Dietrich Oppenberg 1982 zusammenstellen ließ. Er empfahl die Lektüre in seinem Vorwort „ganz besonders den jungen Leuten in den Verlagen“. Denn: „Soviel Erfahrung, wie hier auf 160 Seiten kondensiert dargeboten wird, kann man sonst nur im Laufe eines langen Arbeitslebens sammeln.“
Das Jahrbuch „Zeitungen 2013/2014“ des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger umfasst 420 Seiten, eine umfassende Informationsquelle und das wichtigste Nachschlagewerk rund um das Medium Zeitung. Die Vorgänger gibt es seit 1987. Im Bücherregal der ITZ nehmen sie satte 65 Zentimeter ein. Glaubwürdigkeit und Qualität sind vielgenannte Begriffe. Und immer soll „der Leser“ (die Leserin?) im Fokus aller Aktivitäten stehen. Egal ob gedruckt, online oder mobil.
Der Blick zurück nach vorn lohnt sich. Denn die wesentlichen Themen haben sich kaum verändert.

Kreative Raumstation

ssd. April 1973, Start des Volontariats. In der Redaktion ein versiffter Schreibtisch, darauf ein uraltes Schätzchen, nicht weniger versifft. Die Investition in den 10-Finger-System-Kurs war vorläufig rausgeschmissenes Geld. Dieses schwarze Monstrum konnte allenfalls mit den Zeigefingern bearbeitet werden – sonst kam da nichts drauf aufs weiße Blatt. Tipp-Ex wurde zum besten Freund. Die erste Kugelkopfschreibmaschine war eine Sensation.

Jahre später sorgten Computer dafür, dass die Redaktion endlich umziehen konnte. Diese neumodischen Dinger vertrugen die Hitze nicht! Rauchen wurde verboten, das Nikotin könnte ja die empfindlichen Gerätschaften beeinträchtigen, die der Redaktionschef am Anfang noch gerne an die Jüngeren weiterreichte, weil er lieber bei der Elektrischen blieb.

Heutzutage zeigt Jan-Eric Peters im aufwendig gedrehten Werbefilm seinen gigantischen Welt-Newsroom. Und das Handelsblatt inszeniert in Düsseldorf sein neues „Kreativdeck“. 150 schicke Partygäste – darunter Agenturchefs, Konzernsprecher und der Manager der „Toten Hosen“. Schreibt Herausgeber Gabor Steingart. Ein „Hauch von Aufbruch“ war auch dabei.

Wir verstehen: „Die Verlagsgruppe Handelsblatt versteht sich nicht länger als traditionelles Verlagshaus, sondern als Gemeinschaft zur Verbreitung des wirtschaftlichen Sachverstands. Dieses neue Selbstverständnis spiegelt sich in neuen Geschäftsfeldern – wie dem 360°-Team, dem Handelsblatt Research Institute oder unserem Veranstaltungsforum Face-to-Face – sowie dem „Kreativdeck – Raum für Ideen“ wider.“

Mein Haus, mein Auto, mein Boot? Oder ein Fall für den Handelsblatt-Medien-Kommissar Hans-Peter Siebenhaar? Titel seiner letzten Kolumne: „Die unerträgliche Leichtigkeit des medialen Blödsinns.“

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/kreativdeck-diese-gaeste-feierten-den-raum-fuer-neue-ideen/9206718.html