Eine symbiotische Beziehung

ssd. 25 Jahre Initiative Tageszeitung, 25 Jahre für die noch bessere Zeitung. Mit diesem Anspruch feierte die ITZ Initiative Tageszeitung am 18. November 2011 ihr 25. Jubiläum in Berlin. Der Tag stand unter der Überschrift „Pressefreiheit braucht journalistische Qualität – Journalistische Qualität braucht Pressefreiheit“. Als Hauptredner konnte der Hamburger Verleger Gerd Schulte-Hillen gewonnen werden, langjähriger Vorstandsvorsitzender von Gruner & Jahr.
Zu seinen persönlichen Niederlagen im Bemühen um Qualität gehörte für Schulte-Hillen in seiner Amtszeit der Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher im Stern. Für die ITZ wurde der Verleger grundsätzlich, grub in der Historie und blickte über den nationalen Gartenzaun: „Pressefreiheit und journalistische Qualität: Eine symbiotische Beziehung.“
Auszüge: In einer lebendigen Demokratie kann der Bürger bei einer anspruchsvollen fleißigen Presse in allen Fragen, die ihn betreffen, sachverständig sein. Und diejenigen, die nachlässig arbeiten, Steuergeld vertun oder rechtswidrig die Umwelt belasten, müssen mit harscher Kritik rechnen. Natürlich hat die Presse auch eine Wächterfunktion. Dem Unternehmer gegenüber, dem Staat und seinen Institutionen gegenüber. Überall sitzen oder stehen Menschen und entscheiden, meist wohl überlegt und nach bestem Wissen – aber manchmal auch von anderen Zielen beflügelt oder schlicht nachlässig.
Hier hat die Presse kritisch zu sein und immer aus selbstbewusster Distanz jene zu beobachten, die Macht verwalten. Sei es der Staat, die Wirtschaft oder seien das karitative Institutionen wie Krankenhäuser, Altenheime, Kinderheime, Internatsschulen, kirchliche Organisationen oder Sportveranstaltungen. Das kann und soll alles ohne Fehl und Tadel sein. Aber kritisch hinzusehen, kann auch der Beginn des Vertrauens sein. Manchmal aber auch genau das Gegenteil.
Journalisten müssen immer neugierig sein und mehr wissen wollen. Richtig wissen, durchdringen, verstanden haben! Nicht an der Oberfläche bleiben, sondern Details untersuchen und den Gesamtvorgang verstehen. Erst danach dürfen sie tadeln oder loben oder berichten, was ist. Einer solchen Presse vertraut der Leser, der nicht selber alles prüfen kann. Die Arbeitsteilung ist gewollt. So wird der wissensdurstigen Leser informiert und gewinnt Zeit, seine eigene Arbeit exakt und gut zu machen.
Exaktheit ist eine preußische Tugend. Wenn die deutsche Industrie in einer Zeit hoher Innovation und Veränderung strahlend dasteht, trotz der aus Fahrlässigkeit entstandenen Finanzkrise, trotz nachlassender Nachfrage in benachbarten Volkswirtschaften, so hat das Gründe. Wir arbeiten nicht alle isoliert vor uns hin, sondern sind Teile eines Hochleistungsnetzes, in dem unvollkommene Arbeit alle bremst. Wir sind keine Roboter, sondern konzentrierte Fachkräfte, die mit Recht auf das gemeinsam Geschaffene schauen und sich freuen und stolz sind, wenn es gut geworden ist. Diesen Schwung müssen wir beibehalten.
Die vollständige Rede steht auf der ITZ Website.

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