Blick zurück nach vorn

ssd. 1986, das Jahr der Gründung der ITZ Initiative Tageszeitung. Im selben Jahr erschien im ECON Verlag in Düsseldorf das schmale Bändchen „Vom Zeitungsverkauf zum Zeitungsmarketing“, das mit leicht vergilbten Seiten im Bücherregal der ITZ steht. Die Veröffentlichung der Schrift hatte der Verleger Dietrich Oppenberg mit Mitteln der Pressestiftung RWV ermöglicht.
Das Buch beinhaltet das überarbeitete Protokoll einer Arbeitssitzung des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, die im Oktober 1985 in Bonn stattgefunden hatte. Es ging um „Die Wettbewerbsposition der Zeitung in einer veränderten Medienlandschaft“. Peter Tamm war zu der Zeit Vorsitzender des Vorstands der Axel Springer AG, die 2013 ihr Regionalzeitungsgeschäft zu den Akten gelegt hat. Tamms Statement als Fazit einer Analyse „Die Problemstellung“: „Die Zeitung lebt von ihrem Inhalt, von ihrem verlegerischen Auftrag, von ihrer Machart. Das aber heißt vor allem: Solider Journalismus, Kreativität und Lebendigkeit, Gespür für Leserwünsche. Das ist der eigentliche Kern, der darüber entscheidet, ob eine Tageszeitung Erfolg hat oder nicht.“
Herausgeber Oppenheim beschreibt in seinem Vorwort die spürbare Aufbruchstimmung auf der Verlegertagung, die durch das Motto „Zurück zur Zeitung“ gekennzeichnet war. Sein Fazit im Jahr 1986: Die Verleger hätten „viel zu lange viel zuviel Aufmerksamkeit auf die ‚neuen Medien‘ gerichtet, während doch ihre eigentliche Aufgabe und ihre Chance in der Zeitung liegt.“ Und: „Deutschlands Zeitungsverleger beginnen zu erkennen, daß sie ihr Produkt wie einen Markenartikel im immer härter umkämpften Markt platzieren und führen müssen.“
Viele der Zitatgeber des Buches leben heute nicht mehr. Ihre damaligen Analysen und Empfehlungen aber sind an vielen Stellen verblüffend aktuell. Das gilt auch für den Vorgängertitel „Zeitungsverkauf in den 80er Jahren“, den Dietrich Oppenberg 1982 zusammenstellen ließ. Er empfahl die Lektüre in seinem Vorwort „ganz besonders den jungen Leuten in den Verlagen“. Denn: „Soviel Erfahrung, wie hier auf 160 Seiten kondensiert dargeboten wird, kann man sonst nur im Laufe eines langen Arbeitslebens sammeln.“
Das Jahrbuch „Zeitungen 2013/2014“ des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger umfasst 420 Seiten, eine umfassende Informationsquelle und das wichtigste Nachschlagewerk rund um das Medium Zeitung. Die Vorgänger gibt es seit 1987. Im Bücherregal der ITZ nehmen sie satte 65 Zentimeter ein. Glaubwürdigkeit und Qualität sind vielgenannte Begriffe. Und immer soll „der Leser“ (die Leserin?) im Fokus aller Aktivitäten stehen. Egal ob gedruckt, online oder mobil.
Der Blick zurück nach vorn lohnt sich. Denn die wesentlichen Themen haben sich kaum verändert.

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