Das Ende naht

ssd. Forum Lokaljournalismus in Bayreuth, Auftritt von Michael Rümmele, seit 2001 Geschäftsführer der in Bayreuth erscheinenden Tageszeitung Nordbayerischer Kurier. Die Vorstellung von Zeitung als gedrucktes Produkt hält Rümmele für überholt. In 15, 20 Jahren werde es keine gedruckte Zeitung mehr geben. Gut gemachter Journalismus aber sei weiterhin gefragt. Spätestens im Jahr 2034 werden wir also wissen, ob das angebliche Auslaufmodell Zeitung überlebt hat.
Womit sich das Fachpublikum beim Forum der Bundeszentrale für politische Bildung sonst noch beschäftigt hat:
http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/medien-sind-emotion_225753
http://www.nordbayerischer-kurier.de/videos/180-journalisten-besuchen-das-bayreuther-festspielhaus_543488

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Schon wieder die Zukunft

ssd. Drei Medienmänner, drei Positionen. Verleger Dirk Ippen am 23. Januar 2014 im Münchner Presseclub: „Jede Zeitung braucht eine Seele… Die Leser müssen das Gefühl haben: Das ist meine Zeitung.“ Zentralisierte Redaktionen sind daher nach Ippens Meinung ein Irrweg. www.presseclub-muenchen.de

Verleger Hubert Burda bei der DLD Digitalkonferenz am 20. Januar 2014 im Panel „Zukunft des Journalismus“: „Allein mit Qualitätsjournalismus kann heute niemand mehr überleben.“ http://dld-conference.com/

Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner am 23. Januar 2014 im FAZ Interview: „Unabhängiger, kritischer Journalismus ist aber ein Wert, und dieser Wert hat einen Preis. Diese Erkenntnis setzt sich durch… Zeitungen und Zeitschriften wird es noch über Jahrzehnte geben und sie werden noch sehr lange gute Renditen erwirtschaften können. Mit dem Informationsträger Papier wird es aber nur noch in Ausnahmefällen Wachstum geben.“

Fragen Sie Dr. Sommer!

ssd. Es ist doch wirklich interessant, was man an einem ruhigen Januarwochenende in Deutschland alles lernen kann. Da gibt es also einen „kleinen Doktor“ der Prager Karls-Universität, den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer aber nur in Bayern oder Berlin spazieren tragen darf. Erinnert irgendwie an Daktari – das Swahili-Wort für „Doktor“.
In Hamburg sorgt derweil ein anderer, angeblich großer Dr. namens Theo Sommer für die Verbreitung eines Begriffs, der in Gesprächen mit Steuerberatern demnächst eine neue Rolle spielen dürfte: „Einkommenssteuerverkürzung“ legt eine Hamburger Oberstaatsanwältin dem früheren Chefredakteur und „Zeit“-Herausgeber zur Last. Der räumt „Schusseligkeit oder Schlamperei“ über mehrere Jahre ein, so dass sich ein hübsches Sümmchen von 500.000 Euro angesammelt hatte, die der überarbeitete Buchautor nicht versteuert haben soll.
Zurück in München, bietet sich die ADAC Show vom Feinsten. Kommunikationschef macht sich vom Acker, die Führungsetage will nichts von Manipulationen gewusst haben und versucht sich kleinlaut in Demut.
Wir fassen zusammen: In Hamburg muss einer vor Gericht, weil er übers nächtliche Bücherschreiben die Zahlen vergessen hat. In München fehlt ein Kommunikationsprofi, der die ADAC Scherben zusammen fegt und gut mit kleinen Zahlen umgehen kann. In Berlin schauen alle nach München, ob kleine Doktoren und die große Maut noch zusammen passen. Vielleicht hätten alle zusammen mal besser das Dr. Sommer-Team der Bravo gefragt?

Nachtrag: Am 22. Januar 2014 ist Theo Sommer (83) wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem wird eine Geldbuße von 20.000 Euro fällig. Laut Anklage hat Sommer zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649.000 Euro nicht bezahlt, die aus Einkommen und Nebeneinkünften fällig gewesen wären. Nächtliches Schreiben lohnt sich.

 

 

Journalist? Content Manager!

jfn. „Journalisten haben es heute schwerer als vor 16 Jahren […]. Der Beruf ist schneller geworden und verlangt mehr Flexibilität, eine größere Vielseitigkeit. Man muss mehr können und man muss mehr verstehen.“ Diese Aussage traf Jan-Eric Peters, ehemaliger Direktor der Axel Springer Akademie, anlässlich der Verleihung des Axel-Springer-Preises 2007.

Um eben diese Anforderungen an Journalisten und den Arbeitsalltag in Redaktionen im crossmedialen Zeitalter ging es am 27. Mai 2008 bei der 6. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ zum Thema „Managing Community – wie nutzen Zeitungen ihre Plattformen?“. Kooperationspartner war die Neue Osnabrücker Zeitung, deren damaliger Chefredakteur Ewald Gerding prophezeite: „Die Zahlen der Abonnements werden rasant nach unten gehen, die kostenlose Tageszeitung wird kommen. Zusatzangebote für Special Interests nehmen zu.“

Durch den immer stärker differenzierten Produktmix ergab sich für Ewald Gerding im Jahr 2008 ein neues Berufsbild: Von angehenden oder jungen Journalistinnen und Journalisten wird erwartet, dass sie Content multimedial liefern und crossmedial arbeiten: Der Journalist als Content Manager, als Lieferant von Inhalt für alle Produkte.

Die Arbeitsabläufe ändern sich dadurch in jedem Fall. Der Fluss der Inhaltebearbeitung könnte dann so aussehen: SMS – Meldung online – Kurzmeldung online – Tageszeitungsartikel – Aufbereitung für Specials für die verschiedenen Medien. Der Redakteur, so Erdings Einschätzung, bleibe zwar Regisseur der Geschichte, doch werden weitere Kolleginnen und Kollegen an der Contentbearbeitung beteiligt sein.

Paul Wehberg, Leiter für Elektronische Medien und Business Development der NOZ, hatte das zukünftige Berufsbild des Journalisten ganz klar vor Augen. „Es geht nicht mehr, jeden Morgen zunächst die Tageszeitung zu produzieren.“ Entweder, so seine Prognose, bestehen die verschiedenen Medienformen parallel und gleichzeitig arbeitend oder es gibt Plattformen, auf der Inhalte einlaufen und dann in die verschiedenen Kanäle fließen. Wehberg gab dem zweiten Modell unter dem Stichwort „medienkonvergenter Journalismus“ den Vorrang. „Im Orchester Medienhaus treten die Inhalte vor die Medien“, postulierte Wehberg.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.

New York, Rio, Tokio

jfn. Seit Sommer 2010 arbeitet die Zentrale der dpa-Redaktionen an der Markgrafenstraße im historischen Zeitungsviertel Berlins. Hier wurden die bisherigen Zentralredaktionen aus Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin zusammengefasst. Der perfekte Ort für die 10. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ die am 1. Dezember 2010 in Kooperation mit der Deutschen Presse-Agentur stattfand. Das Thema: „dpa – Alles neu in Berlin“.

Im Fokus stand das crossmediale Arbeiten in der vernetzten Medienwelt. Michael Ludewig, Auslands-Chef der dpa, berichtete, dass crossmediales Arbeiten auf einer Ebene ein Kriterium für die Auswahl der Räume gewesen sei. 152 Meter Newsroom und an dessen Kopfende drei Konferenzräume mit den Namen New York, Rio und Tokio sind das Resultat akribischer Planung: Über Jahre hinweg sei die Zusammenführung der drei Standorte mit 150 Mitarbeitenden der dpa in Workshops erarbeitet worden. Herzstück des Newsrooms mit 26 Redaktionen und Teams ist der Newsdesk, an dem Text, Online, Audio, Video und Grafik zusammengeführt sind. Zwei News-Chefs arbeiten ständig an den Topthemen des Tages.

Längst geht es der dpa aber nicht mehr nur um das Sammeln, Verarbeiten und Verbreiten von Nachrichten: Der Kontakt zu den Abnehmern wurde intensiviert. Auf dem exklusiv für Kunden geschalteten Portal „dpa-news“ können die Kunden die Topthemen kommentieren und Themenvorschläge machen. „Es entsteht ein richtiger Dialog. Und es kommt fast jeden Tag vor, dass wir ein Thema auf Anforderung erweitern“, berichtete Ludewig im Dezember 2010.
Darüber hinaus fungiert die dpa gegen eine Gebühr auch als Vermittler. Ein Beispiel: Eine Lokalzeitung hat ein Thema in ihrem Verbreitungsgebiet bearbeitet, das auch für andere Blätter interessant sein könnte. Die Lokalzeitung stellt das Thema über ein „Open Gate“ von dpa ein, eine andere Zeitung kann es dort kaufen und für sich weiterentwickeln. Im Gegensatz zum Themenaustausch innerhalb einzelner Medienhäuser geschehe der Transfer hier verlagsübergreifend.

Eine Nachrichtenagentur wie dpa brauche sowohl Generalisten als auch Spezialisten auf den unterschiedlichen Arbeitsgebieten. Immer wichtiger werde multimediales Denken: „Die Mitarbeiter müssen nicht alles selbst können. Aber sie sollen Themen daraufhin checken, ob sie crossmedial aufzubereiten und welche Medien jeweils geeignet sind“, sagte Roth zum Profil der Journalistinnen und Journalisten bei dpa. Deshalb wurde die Volontärsausbildung komplett umgestellt. Zweimal im Jahr beginnen Text-, Foto-, Audio-, Video-, Online- und Grafik-Volontäre gemeinsam in einem zweiwöchigen Grundkurs, in dem sie mit der Arbeit mit Quellen und Texten, mit Bildauswahl, technischen Abläufen und den verschiedenen Medien vertraut gemacht werden.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.

Auf geht’s

ssd. Pause vorbei, die Ausgrabungen gehen weiter. Während sich die Deutschen mit Glühwein und Plätzchen vergnügt haben und wieder einmal Millionen verballert wurden, ist die Zeit in den Verlagen nicht stehen geblieben. Die Funke Mediengruppe trennt sich vom gestandenen Zeitungsmann Christian Nienhaus – oder umgekehrt? Die Welt will „erstmals nach 12 Jahren“ neue Leute einstellen, Axel Springer sucht Visionärinnen für die Medienwelt von morgen und schreibt den „Women in Media Award“ aus.
Die New York Times hat ihren Internetauftritt neu konzeptioniert und präsentiert den veränderten Look in schwarz-weißer Druckanmutung. Sehenswert: das Werbevideo, mit dem der Relaunch den Leserinnen und Lesern erklärt wird: www.nytimes.com.
Köstlich die Interviews der Logo-Kinderreporter mit den Zeitungschefs Kai Diekmann (Bild), Giovanni di Lorenzo (Zeit) und Frank Schirrmacher (FAZ), die ihre Titel beurteilen müssen. Kindermund tut Wahrheit kund.
Erschreckende Wahrheiten musste Martin Kunz, Direktor der Akademie der Bayerischen Presse verkraften, dem aufgefallen ist, dass immer weniger Männer Journalisten werden. Das deckt sich mit dem Befund von Sprachoberguru Wolf Schneider, der sich in der Thüringer Allgemeinen zum „Schwachsinn“ der geschlechtergerechten Sprache ausgetobt hat. Ist ja auch nicht in Ordnung, dass er sich mit seinen 88 Jahren mit der „PR Kampagne einer Gruppe militanter Feministinnen“ rumschlagen muss. Alter schützt vor Torheit nicht.
In diesem Sinne: Ein erkenntnisreiches Jahr 2014. Wir graben weiter.