Nachwuchs: Mangelware!

jfn. Der Mangel an geeignetem Nachwuchs ist in Deutschland branchenübergreifend ein viel diskutiertes Thema. „Alle werden immer älter – die Demographie schlägt auch in den Redaktionen zu“: Der Titel der 4. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“, die im Januar 2008 in Kooperation mit dem Göttinger Tagblatt stattfand, beschreibt die Situation in vielen Redaktionen treffend.

Dennoch ist Personalentwicklung in den wenigsten Zeitungshäusern ein Thema, wie sowohl die Chefredakteurin des Göttinger Tageblatts, Inge Stein, als auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops berichteten. Teilweise fehlten schon 2008 gute Bewerberinnen und Bewerber um ein Volontariat. Die jungen Redakteurinnen und Redakteure sahen einen Grund darin, dass ihr Beruf in den Redaktionen und allgemein in der Verlagsbranche schlecht geredet werde.

Gastredner beim Workshop war Martin Krüssel, seit 2001 Personalentwickler an der Göttinger Georg-August-Universität und in dieser Funktion zuständig für das nicht-wissenschaftliche und das wissenschaftliche Personal sowie für die Nachwuchswissenschaftler. Er führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ITZ Workshops in die Grundfunktionen von Personalentwicklung ein. Angesichts der demografischen Entwicklung der Bevölkerung Deutschlands maß er der Personalentwicklung einen hohen Stellenwert zu.

  • Personalentwicklung, so Krüssel, sei Bestandteil des Personalmanagements auf vier Reife-Stufen:
  • Personalverwaltung: verwaltet und reagiert.
  • Funktionales Personalmanagement: verwaltet per EDV und erhebt Statistiken über die Mitarbeiter, handelt jedoch nicht strategisch.
  • Teilintegrales Personalmanagement: verschiedene Elemente der Personalentwicklung werden eingesetzt.
  • Integrales, strategisches Personalmanagement: hier gibt es ein strategisches Personalentwicklungskonzept.

Krüssel erläuterte, dass für die erfolgreiche Personalauswahl und -entwicklung ein Anforderungsprofil mit Analyse der Ziele und Kernaufgaben erarbeitet werden müsse.

In den anschließenden Arbeitsgruppen formulierten und diskutierten die Akteure der 4. ITZ Zukunftswerkstatt ihre Erwartungen an Verlage, Redaktionen und Vorgesetzte. Fazit: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst gingen von einem guten Image ihres Berufes aus. Sie wünschten sich eine organisatorisch und inhaltlich strukturierte Ausbildung sowie gemeinsam mit den Verlagsabteilungen entwickelte Berufsperspektiven.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der Initiative Tageszeitung zur Verfügung.

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Mission Leserbindung

jfn. 2012 gab es 333 Tageszeitungen (130 publizistische Einheiten) in Deutschland (Quelle: BDZV). Nachrichten über Redaktionszusammenschlüsse, Schließungen von Ausgaben oder kompletten Titeln, Verkäufe und Einsparungen häufen sich. Im Kampf um die Leserinnen und Leser bleibt die Frage: „Wie wird Zeitung attraktiver?“

Bei der 8. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“, die im Oktober 2009 in Aschaffenburg stattfand,  wurden mehrere Antworten gegeben. Das Thema: „18 Monate danach: Die Wandlung einer Zeitung“. Kooperationspartner war das Main-Echo, das sich kurz zuvor ein neues Layout verpasst hatte. Eine ansprechende Optik und gute Leseführung – das waren Antworten auf die Frage nach mehr Attraktivität. Doch damit nicht genug. „Mir war es immer wichtig, dass wir nicht nur eine neue Hülle bekommen, sondern uns auch inhaltlich weiterentwickeln“, betonte Chefredakteur Claus Morhart. Dazu gehörte auch die bewusste Hinwendung zu mehr Hintergrundinformation und Orientierung, denn in punkto Schnelligkeit lagen die elektronischen Medien schon 2009 vorn.

Eine weitere Möglichkeit, die Attraktivität zu steigern, wurde in einer der Arbeitsgruppen diskutiert: der Versuch, neue Zielgruppen zu bedienen, zum Beispiel junge Familien, die sich als „greifbarste Gruppe“ örtlich binde und damit für die Zeitung erreichbar sei. Ob Kommunalpolitik, Bildung oder Ratgeber – die Themen sollen unter dem besonderen Blickwinkel der Familie beleuchtet werden.

Im Plenum wurde eine zu starke Fokussierung mit Blick auf das Universalmedium jedoch kritisch diskutiert: Als Person gehöre man ja mehr als einer Zielgruppe an. Die jungen Eltern gehen einem Beruf nach, sind Vereinsmitglieder, haben also vielfältige Interessen, die eine Zeitung abbilden sollte. Gerade junge Familien müssten außerdem zunehmend aufs Geld schauen.

Wie nah Redakteure und Redakteurinnen am Leser sind, fragten sich einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer und griffen damit ein Statement von Main-Echo-Chefredakteur Claus Morhart auf: „Das Leben der oft akademisch gebildeten Redakteure entfernt sich immer mehr vom Leben der Durchschnittsleser. Das ist ein Problem“. „Mobiler Journalismus“ könne darauf eine Antwort sein: Ein Redakteur fährt mit Kamera, Fotoapparat, Block und Stift durchs Verbreitungsgebiet, schnappt Geschichten vor Ort auf und erzählt sie crossmedial.

Fazit der 8. ITZ Zukunftswerkstatt: Alles ist im Fluss. Das betrifft die Umstellungen in den Zeitungshäusern, was Layout, Technik und Strukturen in den Redaktionen angeht – aber auch das Berufsbild der Journalisten. Eine Herausforderung, der sich die Verlage und Redaktionen immer wieder stellen müssen.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der Initiative Tageszeitung zur Verfügung.

Wer macht wen an?

jfn. Post, Blogs, Tweets – im Zeitalter der digitalen Kommunikation auf allen Kanälen hat der Dialog mit den Leserinnen und Lesern ein neues Stadium der Komplexität erreicht. Im Juli 2007 diskutierten Journalistinnen und Journalisten bei der 2. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ unter zu der Zeit noch völlig anderen Bedingungen über den „Dialog mit den Lesern“. Der Titel des Workshops ließ mit der leicht provokanten Zusatzfrage „Wer macht wen an?“ viel Spielraum für spannende Dialoge. Das Thema hat bis heute nichts an Brisanz und Aktualität eingebüßt. Ob gedruckt oder online: Die Frage, wie die Leserin und der Leser einzubinden sind, bestimmt den Alltag in den Redaktionen. Was macht einen Dialog aus? Welche Rolle sollten die Redakteurinnen und Redakteure darin übernehmen? Wie intensiv darf sich die Redaktion auf einen Dialog einlassen? Sind es Dialoge auf Augenhöhe? Dienen sie der Ideenfindung und als Themenradar? Welche Leserbindungsinstrumente sollen eingesetzt werden?

Kooperationspartner der 2. ITZ Zukunftswerkstatt war „Der Fränkische Tag“ in Bamberg, dessen damaliger Chefredakteur Armin Maus betonte: „Wir suchen den Vollkontakt zum Leser, so richtig altmodisch von Angesicht zu Angesicht.“ Umgesetzt wurde dieser Anspruch mit der Aktion „Fränkischer Tag bei uns“, bei der die Redaktion raus zu den Lesern zog, immer in einen bestimmten Orts- oder Stadtteil, am Anfang alle 14 Tage, später alle vier Wochen.

In der Woche vor der Veranstaltung erschien eine Beilage über den Ort, in dem die Redaktion mit den Lesern sprach. Der Abend wurde von einem Redaktionsmitglied moderiert, ortsansässige Vereine stellten ein Unterhaltungsprogramm und das Catering auf die Beine. Pro Abend kamen 100 bis 200 Besucher. „Jede Menge Kontakte“ und ein „sich füllendes Themenreservoir“ waren nur zwei positive Ergebnisse der beliebten Veranstaltungsreihe.

Diskussionen über den Dialog mit den Leserinnen und Lesern sowie über Leserbindungsinstrumente haben in Zeiten sinkender Auflagen hohe Priorität. Präsentiert wurden 2007 der Leserbeirat der Bild-Zeitung, die Leserblogs der längst nicht mehr selbstständig existierenden Frankfurter Rundschau, die Leserakademie der Berliner Morgenpost oder Online-Abstimmungen der längst vom Markt verschwundenen Financial Times Deutschland.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der Initiative Tageszeitung zur Verfügung.

Couragiert voraus

jfn. Berufsanfängern mangelt es nicht an Ideen. Auch nicht an Zielen. Aber oftmals an Mut. „Seien Sie morgen einmal mutig, einmal selbstbewusst, einmal mit Spaß bei der Sache. Und sagen Sie’s den anderen!“ lautete daher der Schlussappell bei der 11. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“, die im Februar 2011 in Köln stattfand.

Das Thema lautete „Fit für die Zukunft? – Perspektiven und Karriereorientierung am Beginn eines langen Berufsweges“. Wofür stehe ich? Weiß ich, wo ich hinwill – und wissen es die anderen? Vor allem meine Vorgesetzten? Plane ich eine zeitraubende Karriere? Oder zielt meine Lebensplanung auf Work-Life-Balance? Wie will ich dann Verantwortung und interessante Perspektiven im Beruf mit Familie und Freizeit unter einen Hut bekommen? Wie definiere ich Arbeit und Erfolg im Beruf? Habe ich einen Plan für die nächsten drei, für die nächsten zehn Jahre? Ist Journalismus für mich Leidenschaft oder Übergangssituation? Werde ich in der Redaktion gefördert? Was weiß mein Chef von mir? Viele Fragen, auf die Berufseinsteiger eine Antwort suchen. Die ITZ Zukunftswerkstatt verwies auf Mut, Selbstbewusstsein und Selbstreflexion.

Kooperationspartner war die Fachhochschule des Mittelstands (FHM), Campus Köln, die bei der Ausbildung ihrer Studierenden großen Wert auf den Praxisbezug legt. „Journalisten werden immer mehr zu Allroundern. Es reicht nicht mehr, 80 Zeilen schreiben zu können“, so Prof. Dr. Jens Große, Leiter des Kölner Campus.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.

Das Netz im Kopf

jfn. „Berufsperspektiven junger Journalistinnen und Journalisten – wer bezahlt mich wofür?“ Dieser Frage gingen am 11. Juni 2008 die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 7. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ nach. Kooperationspartner war die Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung in Essen. Im Journalismus bestehen könne nur, wer crossmedial denke und arbeite, war sich der stellvertretende Chefredakteur Manfred Lachniet sicher. „Eine Idee für ein Bild, für den Auftritt im Netz muss immer schon im Kopf sein“, betonte er. Die Qualität habe immer oberste Priorität: „Egal für welches Medium, unser Augenmerk auf Qualität bleibt bestehen: verifizieren, recherchieren.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestätigten, dass crossmediales Denken bereits im Jahr 2008 zum Alltag jedes Journalisten gehöre. Jedoch müssten Journalisten nicht jede Spielart – Block, Mikrofon und Videokamera – gleichermaßen gut beherrschen. Auch werde es weiterhin Spezialisten für die klassischen Themengebiete geben, die dann aber entsprechend für die verschiedenen Kanäle aufbereiten werden.  „Die Chancen sind da. Es gibt genug Arbeit“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.

Führung von und in Redaktionen

ssd. Wolfgang Büchner, seit September 2013 Spiegel-Chef, offenbart im Interview mit der FAZ am 30. Januar 2014 eine Erfahrung, die viele kennen, die Führungsverantwortung in einer Redaktion haben: „Der Spiegel entsteht nicht durch Anordnungen oder gar einsame Entscheidungen des Chefredakteurs.“ Fundierte, offene und kontroverse Diskussionen sind es laut Büchner, die ein gutes Produkt entstehen lassen: „Die besten Argumente setzen sich durch.“
Führung von und in Redaktionen ist ein Thema, das die ITZ seit ihrer Gründung begleitet. Ein Grund liegt in der traditionellen Beförderungsstrategie vieler Verlage. Da wurde der beste Schreiber zum Chef gemacht – was seine oder ihre Kernkompetenz und die kreativen Fähigkeiten notgedrungen in den Hintergrund drängten. Wer sich plötzlich um Personal, Finanzen und Vermarktung kümmern soll und ohne Vorbereitung vom Kollegen zum Chef avanciert, gerät unter Druck. Geliebt werden gibt es dann nicht mehr.
Da es nur in wenigen Häusern Personalentwicklungsstrategien gab und sich die Qualifizierung eher auf handwerkliche Fähigkeiten konzentrierte, waren ITZ Workshops und Seminare zum Thema Führung seit Anfang der 1990er Jahre gut gebucht. Gefragt war die alltagstaugliche Unterstützung  der klassischen Ressortleiterpositionen.
In den ersten Jahren war es schwierig, Trainerinnen oder Trainer zu finden, die sich auf die Besonderheiten von Redaktionen einstellen konnten. Mit ihren bekannten Rezepten für hierarchieorientierte Strukturen mussten sie scheitern. So waren es am Anfang die Redakteurinnen und Redakteure selbst, die typische Probleme definierten und potenzielle Lösungen beschrieben. Auf Basis der dabei entstandenen Dokumentationen entwickelten Personalfachleute und Psychologen Programme, die heute Standard sind.

Vertrauen und Offenheit
„Management-Kolleg: Effizient führen im Lokalen“ war der Titel eines mehrmaligen Angebotes über drei Tage. Der Teilnehmerkreis war klein, die Atmosphäre vertrauensvoll. Wer an diesen ITZ Seminaren teilnahm, konnte sicher sein, dass seine Probleme nicht an die große Glocke gehängt wurden. Auch deshalb wurde in großer Offenheit diskutiert.
Die Themen sind aktuell geblieben. Beispiele:

Was ist beim Entscheiden zu beachten?
Was bedeutet Ziele setzen?
Was ist bei der Zielsetzung zu beachten?
Mit welchen Mitteln informieren?
Was erschwert das Delegieren?
Kritisieren und korrigieren
Förderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Was ist bei der Gesprächsführung zu beachten?
Die 10 Gebote des guten Zuhörens

Die Liste lässt sich fortsetzen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen rund 80 Seiten Material mit nach Hause, viele buchten ein Aufbauseminar, um Antworten auf offen gebliebene Fragen zu bekommen.

ITZ Angebote für Führungskräfte
„Effizient führen im Lokalen“ ist auch im Jahr 2014 ein Standardangebot der ITZ. Die Workshops wurden zeitlich gestrafft, da nur noch wenige Zeitungshäuser ihre Redaktionsleiter für volle drei Tage ziehen lassen. Teilaspekte wurden ausgegliedert. Ein Beispiel ist der ITZ Workshop für Redaktionsleiter und Führungskräfte, der sich mit „Zeitmanagement und Selbstorganisation“ befasst. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Inhalte orientierten sich strikt an der praktischen Arbeit in den Redaktionen.
Am Ende dieser Workshops wissen Seminarleitung wie auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass niemand in 48 Stunden ein guter Chef werden kann. Für viele Führungskräfte ist es aber das erste Mal, dass sie offen ihre Defizite benennen und von erfahrenen Fachleuten Tipps bekommen, die ihnen wirklich weiter helfen – und damit auch ihrer Redaktion.
Arbeitsmaterial und die Dokumentationen der Veranstaltungen stehen ausschließlich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung. Das aktuelle ITZ Angebot steht auf der Website: www.initiative-tageszeitung.de

 

Zeit für Spürhunde

ssd. Die 6. KW 2014 wird frau sich merken müssen. Alice Schwarzer schafft es mit ihrem Konto in der Schweiz auf Seite 1 des Wirtschaftsteils der FAZ – mit Foto. Chapeau! In einem Absatz mit Hoeneß, Zumwinkel und Theo Sommer genannt zu werden: naja. Fünf Tage später hat es den Berliner Kultursenator und den CDU-Schatzmeister Helmut Linssen hinweggefegt. Illner, Beckmann & Co. haben reichlich Stoff – und die Journaille ereifert sich zumindest noch am Anfang der Woche bei der Frage, ob der Spiegel die prominente Schwarzer habe in die Öffentlichkeit zerren dürfen. Zu den „Grenzfällen im Journalismus“ hat Hans Leyendecker in der Süddeutschen erhellende Gedanken beigetragen: http://www.sueddeutsche.de/politik/steuerfall-alice-schwarzer-die-last-der-spaeten-reue-1.1878983
Leyendecker muss es wissen, ist er doch im Investigativressort der SZ am Werk. Die Chefredaktion von Zeit online will dem nicht nachstehen: Chefredakteur Jochen Wegner hat ein vierköpfiges Team für Investigativ- und Datenjournalismus zusammengetrommelt. Im Interview mit kress sagt er, was er sich sowie den Leserinnen und Lesern davon verspricht: http://kress.de/mail/tagesdienst/detail/beitrag/125006-zeit-online-chef-wegner-gruendet-investigativ-einheit-schnittstelle-zu-rechercheteams-im-in-und-ausland.html