Wer macht wen an?

jfn. Post, Blogs, Tweets – im Zeitalter der digitalen Kommunikation auf allen Kanälen hat der Dialog mit den Leserinnen und Lesern ein neues Stadium der Komplexität erreicht. Im Juli 2007 diskutierten Journalistinnen und Journalisten bei der 2. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ unter zu der Zeit noch völlig anderen Bedingungen über den „Dialog mit den Lesern“. Der Titel des Workshops ließ mit der leicht provokanten Zusatzfrage „Wer macht wen an?“ viel Spielraum für spannende Dialoge. Das Thema hat bis heute nichts an Brisanz und Aktualität eingebüßt. Ob gedruckt oder online: Die Frage, wie die Leserin und der Leser einzubinden sind, bestimmt den Alltag in den Redaktionen. Was macht einen Dialog aus? Welche Rolle sollten die Redakteurinnen und Redakteure darin übernehmen? Wie intensiv darf sich die Redaktion auf einen Dialog einlassen? Sind es Dialoge auf Augenhöhe? Dienen sie der Ideenfindung und als Themenradar? Welche Leserbindungsinstrumente sollen eingesetzt werden?

Kooperationspartner der 2. ITZ Zukunftswerkstatt war „Der Fränkische Tag“ in Bamberg, dessen damaliger Chefredakteur Armin Maus betonte: „Wir suchen den Vollkontakt zum Leser, so richtig altmodisch von Angesicht zu Angesicht.“ Umgesetzt wurde dieser Anspruch mit der Aktion „Fränkischer Tag bei uns“, bei der die Redaktion raus zu den Lesern zog, immer in einen bestimmten Orts- oder Stadtteil, am Anfang alle 14 Tage, später alle vier Wochen.

In der Woche vor der Veranstaltung erschien eine Beilage über den Ort, in dem die Redaktion mit den Lesern sprach. Der Abend wurde von einem Redaktionsmitglied moderiert, ortsansässige Vereine stellten ein Unterhaltungsprogramm und das Catering auf die Beine. Pro Abend kamen 100 bis 200 Besucher. „Jede Menge Kontakte“ und ein „sich füllendes Themenreservoir“ waren nur zwei positive Ergebnisse der beliebten Veranstaltungsreihe.

Diskussionen über den Dialog mit den Leserinnen und Lesern sowie über Leserbindungsinstrumente haben in Zeiten sinkender Auflagen hohe Priorität. Präsentiert wurden 2007 der Leserbeirat der Bild-Zeitung, die Leserblogs der längst nicht mehr selbstständig existierenden Frankfurter Rundschau, die Leserakademie der Berliner Morgenpost oder Online-Abstimmungen der längst vom Markt verschwundenen Financial Times Deutschland.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der Initiative Tageszeitung zur Verfügung.

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