Mission Leserbindung

jfn. 2012 gab es 333 Tageszeitungen (130 publizistische Einheiten) in Deutschland (Quelle: BDZV). Nachrichten über Redaktionszusammenschlüsse, Schließungen von Ausgaben oder kompletten Titeln, Verkäufe und Einsparungen häufen sich. Im Kampf um die Leserinnen und Leser bleibt die Frage: „Wie wird Zeitung attraktiver?“

Bei der 8. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“, die im Oktober 2009 in Aschaffenburg stattfand,  wurden mehrere Antworten gegeben. Das Thema: „18 Monate danach: Die Wandlung einer Zeitung“. Kooperationspartner war das Main-Echo, das sich kurz zuvor ein neues Layout verpasst hatte. Eine ansprechende Optik und gute Leseführung – das waren Antworten auf die Frage nach mehr Attraktivität. Doch damit nicht genug. „Mir war es immer wichtig, dass wir nicht nur eine neue Hülle bekommen, sondern uns auch inhaltlich weiterentwickeln“, betonte Chefredakteur Claus Morhart. Dazu gehörte auch die bewusste Hinwendung zu mehr Hintergrundinformation und Orientierung, denn in punkto Schnelligkeit lagen die elektronischen Medien schon 2009 vorn.

Eine weitere Möglichkeit, die Attraktivität zu steigern, wurde in einer der Arbeitsgruppen diskutiert: der Versuch, neue Zielgruppen zu bedienen, zum Beispiel junge Familien, die sich als „greifbarste Gruppe“ örtlich binde und damit für die Zeitung erreichbar sei. Ob Kommunalpolitik, Bildung oder Ratgeber – die Themen sollen unter dem besonderen Blickwinkel der Familie beleuchtet werden.

Im Plenum wurde eine zu starke Fokussierung mit Blick auf das Universalmedium jedoch kritisch diskutiert: Als Person gehöre man ja mehr als einer Zielgruppe an. Die jungen Eltern gehen einem Beruf nach, sind Vereinsmitglieder, haben also vielfältige Interessen, die eine Zeitung abbilden sollte. Gerade junge Familien müssten außerdem zunehmend aufs Geld schauen.

Wie nah Redakteure und Redakteurinnen am Leser sind, fragten sich einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer und griffen damit ein Statement von Main-Echo-Chefredakteur Claus Morhart auf: „Das Leben der oft akademisch gebildeten Redakteure entfernt sich immer mehr vom Leben der Durchschnittsleser. Das ist ein Problem“. „Mobiler Journalismus“ könne darauf eine Antwort sein: Ein Redakteur fährt mit Kamera, Fotoapparat, Block und Stift durchs Verbreitungsgebiet, schnappt Geschichten vor Ort auf und erzählt sie crossmedial.

Fazit der 8. ITZ Zukunftswerkstatt: Alles ist im Fluss. Das betrifft die Umstellungen in den Zeitungshäusern, was Layout, Technik und Strukturen in den Redaktionen angeht – aber auch das Berufsbild der Journalisten. Eine Herausforderung, der sich die Verlage und Redaktionen immer wieder stellen müssen.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der Initiative Tageszeitung zur Verfügung.

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