Neue Ideen und innovativer Ehrgeiz

ssd. „Raus aus der Routine!“  So lautete der Titel eines Interviews mit Heinrich Meyer, Vorsitzender der ITZ Initiative Tageszeitung im „medium magazin“, Ausgabe 6/2007. Anlass war der Start der Workshop-Reihe mit jungen Journalistinnen und Journalisten. Die ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ sollte Anregungen für die Diskussion über Themen geben, die die Zeitungshäuser seit Jahren beschäftigen. Meyers Einschätzung: „Wenn wir die Diskussionen der letzten Jahrzehnte werten, müssen wir zu der Erkenntnis kommen, dass oft die gleichen Fragen gestellt worden sind und – mit leichten Variationen – die gleichen Antworten gegeben wurden.“

Im Jahr 2014 sind einige Themen aktuell wie nie, etwa das Thema Alter und Demografie. Auszüge aus dem Gespräch von 2007:

Auch die Alternsstruktur in den Redaktionen wird seit Jahren mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen.
Heinrich Meyer: Ein großes Problem mit Blick auf die jungen Leserinnen und Leser. Wir haben nahezu in allen Zeitungshäusern einen Altersdurchschnitt, der in etwa dem der Leser entspricht. Wenn aber eine Redaktion gemeinsam mit ihren Lesern alt wird, woher sollen dann neue Ideen und der innovative Ehrgeiz kommen?
Gründe für diese Entwicklung gibt es bekanntlich viele. In den Verlagen, speziell in den Redaktionen, hat es häufig keine konsequente Personalentwicklung gegeben. Auch die Weiterbildung ist oft nicht optimal organisiert. Hinzu kommt der Eindruck, dass viele Redakteurinnen und Redakteure durchaus weiterbildungsresistent sind.
Nicht wenige in diesem Beruf neigen gelegentlich dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Besonders deutlich wird das immer, wenn ein Redakteur aus dem Team heraus in eine Führungsposition berufen wird. Hier müssen beide Seiten aktiv werden: Die Verlage müssen potenziellen Führungskräften geeignete Trainings anbieten. Und die Redaktionsleiter von morgen sollten zur Kenntnis nehmen, dass Chef-Sein harte Arbeit ist, für deren Erfolg man viel lernen muss.

Vielleicht war es auch ein Fehler, dass jahrelang nur Frauen und Männer mit Mitte, Ende 20 und einem abgeschlossenen Hochschulstudium die Chance auf ein Volontariat hatten.
Heinrich Meyer: Auch hier brauchen wir die richtige Mischung. Wir brauchen die Jungen, die voller Leidenschaft ihre Arbeit in der Lokalredaktion machen, die ihre Sicht auf relevante Themen einbringen.

Müssen die Zeitungen verstärkt „Leserreporter” einsetzen und auf „User Generated Content” setzen?
Heinrich Meyer: Dies kann allenfalls eine ergänzende Funktion haben im Sinne eines zusätzlichen und schnelleren Themenangebots. Aber auch hier bleibt die Redaktion in der Verantwortung. Auch Veröffentlichungen aus diesem Angebot müssen den redaktionellen Qualitätskriterien genügen.
Ich sehe die traditionellen Medienmacher nicht bedroht, solange sie auf Qualitätsjournalismus setzen. Kompetenz und Glaubwürdigkeit, die mit Zeitungen verbunden werden, sind die Basis für eine Strategie, die auch in der digitalen Zukunft Erfolg haben wird. Genau wie in anderen Branchen müssen die Verlage jetzt darauf achten, dass ihnen nicht die besten Leute abhanden kommen – sei es durch Abwanderung in vermeintlich attraktivere Medien oder durch innere Kündigung. Wir müssen es schaffen, das Wissen und die Erfahrung der Älteren besser zu nutzen und gleichzeitig die Jungen ranzulassen, natürlich auch in Führungspositionen.
Vielleicht sind neue Wege und neue Methoden nur durch zeitlich begrenzte Rotationen durchzusetzen. Und wir müssen aufpassen, dass die Alten nicht gleich dafür sorgen, dass die Jungen genau das machen, was sie selbst schon immer getan haben. Die Sozialisierungsgeschwindigkeit in den Redaktionen ist manchmal schon erstaunlich.

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