Applaus und Aufbruch

jfn. Was genau interessiert die Leserinnen und Leser einer Zeitung? Welche Artikel werden vollständig gelesen, wo steigen Leserinnen und Leser aus? Gibt es gar Unterschiede bei Frauen und Männern?

Als erste deutsche Tageszeitung entschied sich die Main-Post in den Jahren 2004/05, mit dem damals innovativen Verfahren ReaderScan das Nutzungsverhalten zu ergründen. Bei der 3. ITZ Zukunftswerkstatt „Weg mit den Quotenkillern – der gescannte Leser“, die am 25. September 2007 in Würzburg stattfand, erläuterte der stellvertretende Chefredakteur Anton Sahlender nicht nur das Verfahren, sondern zeigt auch auf, wie die Erkenntnisse im Redaktionsalltag genutzt werden können. „ReaderScan ist kein Laborversuch, sondern etwas sehr Realistisches. Und ReaderScan hat etwas sehr Schönes: Endlich bekommt der Journalist den Applaus der Leser.“

Die in der Schweiz von Carlo Imboden entwickelte ReaderScan-Methode arbeitet mit einer ausgewählten Anzahl von Lesern, die mit einem speziellen Scanner-Stift die Stellen markieren, an denen sie aus der Lektüre der Artikel aussteigen. Die Scans werden per Handy direkt in eine Datenbank übertragen und ausgewertet. Die Redaktionen können die Ergebnisse abrufen.

Die Auswertung der Leser-Scans zeigte, dass die Leserschaft der Main-Post gute lesbare Texte – die durchaus lang sein dürfen – und gute Fotos schätzt. Ein Teil der Ergebnisse überraschte: Leserinnen und Leser stiegen schnell aus, wenn ein Text mit einem Zitat anfing. Sie verweigerten sich feuilletonistisch formulierten Überschriften. Zwischenüberschriften luden nicht zum Quereinstieg in den Text, sondern eher zum Ausstieg aus dem Text ein.

„Die Zukunft liegt im Lokalen“ bestätigte Anton Sahlender bei der ITZ Zukunftswerkstatt, „aber das Überregionale darf nicht vernachlässigt werden.“ Was am Vortag im Fernsehen berichtet worden sei, „wird am nächsten Tag vom Leser verlangt.“ Natürlich sei es wünschenswert, das Thema mit einem lokalen Bezug zu versehen. „Wenn Sie nicht auch die Massenthemen berücksichtigen, besteht die Gefahr, dass die Leserbindung schwindet.“
Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der Initiative Tageszeitung.

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