Es berichtet Kollege Roboter

jfn. „Wir sind auf alles programmiert und was du willst wird ausgeführt“ textete die Düsseldorfer Band Kraftwerk 1978 in ihrem Song „Roboter“. Gut 40 Jahre später macht die Mensch-Maschine auch vorm Journalismus nicht mehr halt: Der „automated journalism“ hat sich in den USA bereits etabliert. Sportergebnisse, der Wetterbericht oder Börsenkurse: mit dem entsprechenden Algorithmus ist es möglich, Daten auszuwerten und nach vorgefertigten Satzbausteinen Texte zu verfassen.
Nun schwappt die Welle nach Deutschland: „Roboterjournalismus“, das klingt nach schlechter Online-Übersetzung und wie ein Widerspruch in sich. Doch es hängt davon ab, wofür die Software – denn nichts anderes verbirgt sich dahinter – zum Einsatz kommt. Die „Berliner Morgenpost“ etwa testet ein Programm, das fortlaufend Artikel über die aktuelle Feinstaubbelastung verfasst (FAZ 22.8.2014).
Im Finanz- und Sportjournalismus schreiben laut absatzwirtschaft (6/14) Algorithmen innerhalb von Millisekunden hunderte Nachrichtentexte. Der Roboterjournalist AX der Stuttgarter Kommunikationsagentur Aexea sei, so Geschäftsführer Salim Alkan, in der Lage, mehr als 3,6 Millionen Texte pro Tag zu liefern, in acht Sprachen gleichzeitig. Big Data macht’s möglich.

Ein Hoch auf den „Biojournalismus“

Derweil verteidigt „Wirtschaftswoche“-Chefredakteurin Miriam Meckel im Handelsblatt den Biojournalismus. Gemeint ist der Journalismus von Menschenhirn und -hand. Dazu müssten die Journalisten lernen, die Chancen neuer Technologien zu erkennen und für sich zu nutzen. Als Recherchemittel sind Roboterjournalisten nach Meckels Meinung eine Unterstützung – und keine Gefahr.
Für den Qualitätsjournalismus drohe erst recht keine Gefahr: Nichts und niemand nimmt dem Menschen das Denken ab. Miriam Meckel: „Journalismus kann durch gute, auch investigative Recherche Themen setzen, die Unbekanntes bekannt machen, also für neue Sichtweisen, Perspektivwechsel sorgen. In einer umfassend berechneten Welt ist journalistische Unberechenbarkeit eine Notwendigkeit und ein Marktvorteil.“

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