Journalist? Content Manager!

jfn. „Journalisten haben es heute schwerer als vor 16 Jahren […]. Der Beruf ist schneller geworden und verlangt mehr Flexibilität, eine größere Vielseitigkeit. Man muss mehr können und man muss mehr verstehen.“ Diese Aussage traf Jan-Eric Peters, ehemaliger Direktor der Axel Springer Akademie, anlässlich der Verleihung des Axel-Springer-Preises 2007.

Um eben diese Anforderungen an Journalisten und den Arbeitsalltag in Redaktionen im crossmedialen Zeitalter ging es am 27. Mai 2008 bei der 6. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ zum Thema „Managing Community – wie nutzen Zeitungen ihre Plattformen?“. Kooperationspartner war die Neue Osnabrücker Zeitung, deren damaliger Chefredakteur Ewald Gerding prophezeite: „Die Zahlen der Abonnements werden rasant nach unten gehen, die kostenlose Tageszeitung wird kommen. Zusatzangebote für Special Interests nehmen zu.“

Durch den immer stärker differenzierten Produktmix ergab sich für Ewald Gerding im Jahr 2008 ein neues Berufsbild: Von angehenden oder jungen Journalistinnen und Journalisten wird erwartet, dass sie Content multimedial liefern und crossmedial arbeiten: Der Journalist als Content Manager, als Lieferant von Inhalt für alle Produkte.

Die Arbeitsabläufe ändern sich dadurch in jedem Fall. Der Fluss der Inhaltebearbeitung könnte dann so aussehen: SMS – Meldung online – Kurzmeldung online – Tageszeitungsartikel – Aufbereitung für Specials für die verschiedenen Medien. Der Redakteur, so Erdings Einschätzung, bleibe zwar Regisseur der Geschichte, doch werden weitere Kolleginnen und Kollegen an der Contentbearbeitung beteiligt sein.

Paul Wehberg, Leiter für Elektronische Medien und Business Development der NOZ, hatte das zukünftige Berufsbild des Journalisten ganz klar vor Augen. „Es geht nicht mehr, jeden Morgen zunächst die Tageszeitung zu produzieren.“ Entweder, so seine Prognose, bestehen die verschiedenen Medienformen parallel und gleichzeitig arbeitend oder es gibt Plattformen, auf der Inhalte einlaufen und dann in die verschiedenen Kanäle fließen. Wehberg gab dem zweiten Modell unter dem Stichwort „medienkonvergenter Journalismus“ den Vorrang. „Im Orchester Medienhaus treten die Inhalte vor die Medien“, postulierte Wehberg.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.

Advertisements

New York, Rio, Tokio

jfn. Seit Sommer 2010 arbeitet die Zentrale der dpa-Redaktionen an der Markgrafenstraße im historischen Zeitungsviertel Berlins. Hier wurden die bisherigen Zentralredaktionen aus Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin zusammengefasst. Der perfekte Ort für die 10. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ die am 1. Dezember 2010 in Kooperation mit der Deutschen Presse-Agentur stattfand. Das Thema: „dpa – Alles neu in Berlin“.

Im Fokus stand das crossmediale Arbeiten in der vernetzten Medienwelt. Michael Ludewig, Auslands-Chef der dpa, berichtete, dass crossmediales Arbeiten auf einer Ebene ein Kriterium für die Auswahl der Räume gewesen sei. 152 Meter Newsroom und an dessen Kopfende drei Konferenzräume mit den Namen New York, Rio und Tokio sind das Resultat akribischer Planung: Über Jahre hinweg sei die Zusammenführung der drei Standorte mit 150 Mitarbeitenden der dpa in Workshops erarbeitet worden. Herzstück des Newsrooms mit 26 Redaktionen und Teams ist der Newsdesk, an dem Text, Online, Audio, Video und Grafik zusammengeführt sind. Zwei News-Chefs arbeiten ständig an den Topthemen des Tages.

Längst geht es der dpa aber nicht mehr nur um das Sammeln, Verarbeiten und Verbreiten von Nachrichten: Der Kontakt zu den Abnehmern wurde intensiviert. Auf dem exklusiv für Kunden geschalteten Portal „dpa-news“ können die Kunden die Topthemen kommentieren und Themenvorschläge machen. „Es entsteht ein richtiger Dialog. Und es kommt fast jeden Tag vor, dass wir ein Thema auf Anforderung erweitern“, berichtete Ludewig im Dezember 2010.
Darüber hinaus fungiert die dpa gegen eine Gebühr auch als Vermittler. Ein Beispiel: Eine Lokalzeitung hat ein Thema in ihrem Verbreitungsgebiet bearbeitet, das auch für andere Blätter interessant sein könnte. Die Lokalzeitung stellt das Thema über ein „Open Gate“ von dpa ein, eine andere Zeitung kann es dort kaufen und für sich weiterentwickeln. Im Gegensatz zum Themenaustausch innerhalb einzelner Medienhäuser geschehe der Transfer hier verlagsübergreifend.

Eine Nachrichtenagentur wie dpa brauche sowohl Generalisten als auch Spezialisten auf den unterschiedlichen Arbeitsgebieten. Immer wichtiger werde multimediales Denken: „Die Mitarbeiter müssen nicht alles selbst können. Aber sie sollen Themen daraufhin checken, ob sie crossmedial aufzubereiten und welche Medien jeweils geeignet sind“, sagte Roth zum Profil der Journalistinnen und Journalisten bei dpa. Deshalb wurde die Volontärsausbildung komplett umgestellt. Zweimal im Jahr beginnen Text-, Foto-, Audio-, Video-, Online- und Grafik-Volontäre gemeinsam in einem zweiwöchigen Grundkurs, in dem sie mit der Arbeit mit Quellen und Texten, mit Bildauswahl, technischen Abläufen und den verschiedenen Medien vertraut gemacht werden.

Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.

Gesucht: Informationsbroker

jfn. Wer die Jüngsten der Gesellschaft beobachtet, weiß, wohin die Reise geht. Multimedial – für Kinder ein Klacks. Smartphone, Tablets und Internet beherrschen schon Dreijährige spielerisch, Fernsehen ist Alltag, Radio gerät ins Abseits. Und Printprodukte? Ein Markt wie nie zu vor: Das gute alte Kinderbuch läuft in den letzten Jahren zur Höchstform auf. Nicht selten wurden erfolgreiche Kinderbücher für Fernsehen und Kino adaptiert, Hörbücher herausgegeben oder in Websites aufbereitet. Für Kinder eine Selbstverständlichkeit. Sie sind es gewohnt, dass ein Produkt über mehrere Kanäle verfügbar ist. Crossmedial heisst das Zauberwort.

Crossmedia bezeichnet die Kommunikation über mehrere inhaltlich, gestalterisch und redaktionell verknüpfte Kanäle. Der Begriff wurde in der Medienbranche zunächst im Online-Journalismus entwickelt. Heute werden im gesamten Journalismus crossmediale Konzepte eingesetzt. Mit starken Auswirkungen auf das Berufsbild und die Arbeitswelt der Redakteurinnen und Redakteure. Mit diesen Veränderungen setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 5. ITZ-Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ auseinander. Das Thema: „Crossmedial und multioptional – Zukunftsszenarien für journalistische Arbeitsplätze“ lautete. Die Zukunftswerkstatt fand am 4. März 2008 in Kooperation mit der Rhein-Zeitung in Koblenz statt.

Crossmediales Denken und Arbeiten gehörte im Jahr 2008 längst zum Redaktionsalltag von Tageszeitungen. Das Printmedium dehnte sein Angebot auf Online, Web TV, Podcast und andere Formen aus. Die Lösungen in den Verlagshäusern sind indessen bis heute sehr unterschiedlich. Von „online first“ bis hin zu „Crossmedia-Storytelling“ ist alles vertreten.

Für Joachim Türk, damaliger Chefredakteur der Koblenzer Rhein-Zeitung, waren die Prioritäten 2008 klar: „Wir glauben an die Zeitung. Ohne Zeitung ist dieses Unternehmen nichts wert.“ Gleichzeitig will und wollte die Rhein-Zeitung die Informationskanäle bedienen, die von den Leserinnen und Lesern benutzt werden: Internet, Handy, Radio. Um die Inhalte „zentral zu sammeln, abzuschmecken und in die verschiedenen Kanäle zu verteilen“, entschied sich die Rhein-Zeitung sich im Frühjahr 2007 für die Einrichtung eines „Newsdesks“. Von hier aus werden Schwerpunkte bis ins Lokale hinein gesteuert. Themen werden aufgespürt und als Projekt für alle Verbreitungskanäle begriffen. Konsequent werden vom Newsdesk der Rhein-Zeitung aus auch die weiteren Medien RPR1 (Rheinland-Pfalz-Radio 1), www.rhein-zeitung.de und Web TV bedient.

In den Arbeitsgruppen der 5. ITZ-Zukunftswerkstatt wurden die weitreichenden Konsequenzen dieser Entwicklung diskutiert. Es ging um Aus- und Weiterbildung, Redaktionsalltag und Qualität. Für Türk stand fest: „Wir brauchen Informationsbroker, die unseren Lesern Nachrichten in der richtigen Form zur richtigen Zeit anbieten“, so sein Fazit.

Die Dokumentation der 5. ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ steht auf der Website der ITZ zur Verfügung.