Führung von und in Redaktionen

ssd. Wolfgang Büchner, seit September 2013 Spiegel-Chef, offenbart im Interview mit der FAZ am 30. Januar 2014 eine Erfahrung, die viele kennen, die Führungsverantwortung in einer Redaktion haben: „Der Spiegel entsteht nicht durch Anordnungen oder gar einsame Entscheidungen des Chefredakteurs.“ Fundierte, offene und kontroverse Diskussionen sind es laut Büchner, die ein gutes Produkt entstehen lassen: „Die besten Argumente setzen sich durch.“
Führung von und in Redaktionen ist ein Thema, das die ITZ seit ihrer Gründung begleitet. Ein Grund liegt in der traditionellen Beförderungsstrategie vieler Verlage. Da wurde der beste Schreiber zum Chef gemacht – was seine oder ihre Kernkompetenz und die kreativen Fähigkeiten notgedrungen in den Hintergrund drängten. Wer sich plötzlich um Personal, Finanzen und Vermarktung kümmern soll und ohne Vorbereitung vom Kollegen zum Chef avanciert, gerät unter Druck. Geliebt werden gibt es dann nicht mehr.
Da es nur in wenigen Häusern Personalentwicklungsstrategien gab und sich die Qualifizierung eher auf handwerkliche Fähigkeiten konzentrierte, waren ITZ Workshops und Seminare zum Thema Führung seit Anfang der 1990er Jahre gut gebucht. Gefragt war die alltagstaugliche Unterstützung  der klassischen Ressortleiterpositionen.
In den ersten Jahren war es schwierig, Trainerinnen oder Trainer zu finden, die sich auf die Besonderheiten von Redaktionen einstellen konnten. Mit ihren bekannten Rezepten für hierarchieorientierte Strukturen mussten sie scheitern. So waren es am Anfang die Redakteurinnen und Redakteure selbst, die typische Probleme definierten und potenzielle Lösungen beschrieben. Auf Basis der dabei entstandenen Dokumentationen entwickelten Personalfachleute und Psychologen Programme, die heute Standard sind.

Vertrauen und Offenheit
„Management-Kolleg: Effizient führen im Lokalen“ war der Titel eines mehrmaligen Angebotes über drei Tage. Der Teilnehmerkreis war klein, die Atmosphäre vertrauensvoll. Wer an diesen ITZ Seminaren teilnahm, konnte sicher sein, dass seine Probleme nicht an die große Glocke gehängt wurden. Auch deshalb wurde in großer Offenheit diskutiert.
Die Themen sind aktuell geblieben. Beispiele:

Was ist beim Entscheiden zu beachten?
Was bedeutet Ziele setzen?
Was ist bei der Zielsetzung zu beachten?
Mit welchen Mitteln informieren?
Was erschwert das Delegieren?
Kritisieren und korrigieren
Förderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Was ist bei der Gesprächsführung zu beachten?
Die 10 Gebote des guten Zuhörens

Die Liste lässt sich fortsetzen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen rund 80 Seiten Material mit nach Hause, viele buchten ein Aufbauseminar, um Antworten auf offen gebliebene Fragen zu bekommen.

ITZ Angebote für Führungskräfte
„Effizient führen im Lokalen“ ist auch im Jahr 2014 ein Standardangebot der ITZ. Die Workshops wurden zeitlich gestrafft, da nur noch wenige Zeitungshäuser ihre Redaktionsleiter für volle drei Tage ziehen lassen. Teilaspekte wurden ausgegliedert. Ein Beispiel ist der ITZ Workshop für Redaktionsleiter und Führungskräfte, der sich mit „Zeitmanagement und Selbstorganisation“ befasst. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Inhalte orientierten sich strikt an der praktischen Arbeit in den Redaktionen.
Am Ende dieser Workshops wissen Seminarleitung wie auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass niemand in 48 Stunden ein guter Chef werden kann. Für viele Führungskräfte ist es aber das erste Mal, dass sie offen ihre Defizite benennen und von erfahrenen Fachleuten Tipps bekommen, die ihnen wirklich weiter helfen – und damit auch ihrer Redaktion.
Arbeitsmaterial und die Dokumentationen der Veranstaltungen stehen ausschließlich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung. Das aktuelle ITZ Angebot steht auf der Website: www.initiative-tageszeitung.de

 

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