Lesen!

Herzblut und Authentizität
Der Mann hat Insiderwissen: Dr. Jan Pierre Klage war Marketingleiter der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und von 2007 bis 2012 Geschäftsführer des Jahreszeiten Verlags. In einem Dossier für das unabhängige Online-Portal „Vocer“ beschäftigt er sich mit dem „Gesundschrumpfen“ von Redaktionen und analysiert insbesondere die Lage bei Gruner + Jahr.

Auf der Suche nach dem Verlag der Zukunft entdeckt er die „Fähigkeit zur agilen Reaktion“: Der Gedanke hinter agiler Arbeitsweise „ist so einfach wie zwingend: Schließe alle Schubladen, denke immer wieder anders und verknüpfe die vorhandenen Kräfte je nach Aufgabe immer wieder zu neuen Teams – themenkompetent und vor allem kanalübergreifend, denn der Wandel ist nicht mehr umkehrbar: Wer unterwegs ist, möchte überall und sofort zugreifen können. Mobilität ist ein gesellschaftlicher Trend, dem die Verlagsbranche folgen muss …

… Nicht PR-Texte und Auftragsarbeiten schlecht bezahlter freier Journalisten werden die Schlacht um die Aufmerksamkeit moderner Zielgruppen gewinnen, sondern Geschichten mit Herzblut und Authentizität. Mut zum Dialog, echte News, erlebbare Nähe und fassbarer Nutzen, all das muss Content künftig leisten. Und erst wenn Verlage es schaffen, den Käufern ihrer Titel verständlich zu machen, dass sie nicht für Papier bezahlen, sondern für hochwertige, und personalisierbare Inhalte, haben sie eine Chance ihre Existenzgrundlage zu sichern. Auf dem Weg dorthin lässt sich allerdings kein Geld einsparen.“ (ssd, 11. November 2014)

Vollständiges Dossier lesen

Wehrt Euch!
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung präsentiert zum 1. März 2014 eine neue Buchstruktur – und schmückt das vorgerückte Feuilleton mit der Fortsetzung der Diskussion über die digitale Revolution. Herausgeber Frank Schirrmacher fasst zusammen: „…mal sehen, ob Denken uns weiterbringt.“
Lesenswert ist auf derselben Seite das Plädoyer „Wehrt Euch“ von Hans Magnus Enzensberger, der zehn „einfache Regeln“ formuliert hat, die helfen sollen, die Fallgruben der Digitalisierung zu umgehen. Regel Nummer 3: „Online-Banking ist ein Segen, aber nur für Geheimdienste und für Kriminelle.“ (ssd, 3. März 2014)

Comeback von Print?
Die Welt am Sonntag präsentiert am 12. Januar 2014 eine Sonderbeilage zum Deutschen Medienkongress, der am 14. und 15. Januar 2014 in Frankfurt stattfindet. Veranstalter ist die dfv Mediengruppe, die unter anderem Horizont herausgibt. Lesenswert der Bericht über den Guardian aus London, der mit einer wöchentlichen Printausgabe experimentiert. Computer und ein Redakteur wählen Geschichten aus, die via Print-on-demand als Zeitung gedruckt werden. Titel: The Long Good Read. Vorgabe für den Computer: 30 bis 40 Storys aus den letzten sieben Tagen, alle mindestens 1.000 Wörter lang, nicht tagesaktuell und erfolgreich im Netz. Produktionszeit: eine Stunde. Schlaue Form der Leserbindung? (ssd, 13. Januar 2014)

Mediale und politische Realität
Anspruchsvoll, lesen reicht nicht, mitdenken muss schon sein. „Transparanz ist nur eine andere Form von Intransparenz“ schreibt Caspar Hirschi am 8. Januar 2014 in den „Geisteswissenschaften“ der FAZ. Es geht um die Finanzkrise, Niklas Luhmann und den journalistischen Transparenzglauben: „Unter der Flage des Transparenzgebotes haben sich Journalisten einen immer umfassenderen Zugang zu politischen Gremien verschafft, dabei aber nicht unbedingt ihr Versprechen erfüllt, bessere Einsichten in politische Entscheidungsabläufe zu ermöglichen.“ (ssd, 9. Januar 2014)

Zukunftsheft 12/2013
„Wir wollen von unserem Beruf leben können“, ist der verständliche Anspruch junger Journalistinnen und Journalisten. Zwischen „Traumberuf und Krisenjob“ hat das medium magazin in der Ausgabe Dezember 2013 geforscht – und viele mutige Statements der Jungen zusammengetragen. „Jammert nicht. Wehrt Euch doch!“, provoziert im Gegenzug Journalistenausbilder Joachim Widmann. Eine spannende „Zukunftsausgabe“. (ssd, 9. Januar 2014)

2013 auf sechs Seiten
Lesenswerter Jahresrückblick: In der Welt am Sonntag vom 15. Dezember präsentiert Harald Schmidt seine ganz spezielle Bilanz 2013. Der Late-Night-Moderator zieht  über seinen „Lieblingshauptstadtqualitätsjournalisten“ Jakob Augstein her („der kleine Walser“) und spart nicht mit rotzigen Anmerkungen zu „Townhall Tom“, dem neuen Intendanten des WDR.  Auch die „Journalistendarstellerin“ Marietta Slomka wird abgewatscht. Warum Ratzinger Schmidts „Liebling des Jahres“ ist, erklärt der Moderator mit vier kochenden Nonnen und seiner Vorfreude auf den Ruhestand. (ssd, 15. Dezember 2013)

Rezepte für die Redaktion
Alle Jahre lesenswert: „Rezepte für die Redaktion“ – angerührt von Dieter Golombek (Hg.) im Auftrag der Konrad Adenauer Stiftung. Der Ergänzungsband 8 präsentiert die Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Lokaljournalistenpreises 2012. Wie immer spannend: Konzepte und Rezepte, die Redaktionen kopieren und nachkochen können. Die Ausschreibung für den nächsten Preis läuft übrigens schon, Einsendeschluss ist der 31. Januar 2014. Zuständig bei der Stiftung: Susanne Kophal, susanne.kophal@kas.de (ssd, 5. Dezember 2013)

Das verkannte Ressort
Journalistik-Professor Horst Pöttker und die freie Journalistin Anke Vehmeier haben bei Springer VS das „Das verkannte Ressort. Probleme und Perspektiven des Lokaljournalismus“ herausgegeben und geschrieben. Professoren-Kollege Stephan Russ-Mohl, Direktor des European Journalism Observatory (EJO) und Professor für Journalismus und Medienmanagement an der Universität in Lugano, findet zustimmende wie kritische Worte. Er vermisst vor allem neue, relevante Forschungsergebnisse zum Lokaljournalismus. (ssd, 3. Dezember 2013)

Medienschelte
Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück holt in der Zeit vom 21. November 2013 zum Rundumschlag gegen die Medien aus. Zitat: „Es gibt doch tatsächlich einen Journalismus, der im Wettbewerb um Klicks, Quote und Auflage banalisiert, alles personalisiert und vieles skandalisiert.“ Mehr in der Zeit – gedruckt oder online. (ssd, 20. November 2013)

Das Aus ist unvermeidlich
Microsoft-Gründer Bill Gates hat sich für die Welt am Sonntag (17. November 2013) interviewen lassen. Das Thema Medien kommt am Rande vor, die Einschätzung ist knallhart: „Es ist ein Dilemma, wenn man sich, wie ich, mehr Reporter wünscht, die über Afrika berichten, die sich dort auskennen. Die Frage ist nur: Wer soll die noch bezahlen? Wer immer das ist, er muss sich um den Konflikt von Interessen Gedanken machen. Denn wir brauchen wieder mehr investigativen Journalismus, sonst hat die Welt irgendwann ein Problem …
Es muss allerdings ein Geschäftsmodell geben, um diesen Journalismus finanzieren zu können. Derzeit ist der Einbruch der Printanzeigen viel größer als das, was im digitalen Geschäfts aufgefangen wird …
Für die Gesellschaft insgesamt ist der Wert der Inhalte von Zeitungen und Zeitschriften sehr hoch. Für den individuellen Nutzer aber offenbar nicht, weil er Nachrichten an vielen Orten im Netz gratis bekommen kann …
Dass es gedruckte Zeitungen irgendwann nicht mehr in gedruckter Form geben wird, ist unvermeidlich.“ (ssd, 18. November 2011)

Die Leser-Revolution
Wohin steuert die Medienindustrie? Um diese Frage hat sich Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart gekümmert. Anlass für die kritische Auseinandersetzung mit den Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen war die Veranstaltung „Future Summit 2013: Innovation, Wirkung, Nachhaltigkeit“ der Fachzeitschrift w&v (werben & verkaufen) am 14. November 2011 in München. Steingarts Urteil: „ Die Journalisten sind die alten geblieben. Die Leser nicht. Es findet täglich ein lautloser Aufstand der Mündigen und Selbstbewussten statt, die den medialen Frontalunterricht – die Redaktion belehrt, der Leser lauscht andächtig – als unzeitgemäß ablehnen.“ Sieben ketzerische Thesen werden mit dem Aufruf beendet: „Es lebe die Revolution.“ (ssd, 16. November 2013)
http://www.wuv.de
steingart@handelsblatt.com

nr-Werkstatt 23: Lokaljournalismus
„Dicht dran – oder mittendrin?“, Lokaljournalismus zwischen Recherche und Regionalstolz“, erschienen im Mai 2013. Die nr-Werkstatt 23 des netzwerk recherche, Berlin, dokumentiert eine Tagung im November 2012 im Haus der Süddeutschen Zeitung. Mehr als 250 Journalistinnen und Journalisten beschäftigten sich mit dem Anspruch an ihr Tun.
http://www.netzwerkrecherche.de

2020 – Die Zeitungsdebatte
Die Debatte des Sommers, initiiert von Cord Schnibben auf Spiegel Online: tolle Autorinnen und Autoren.
http://www.spiegel.de/thema/2020_die_zeitungsdebatte/

Führung. Macht. Medien.
„Die Kunst, Journalisten zu führen und diese Führung anzunehmen“ lautet der Untertitel eines Buches, in dem es – so das Vorwort – darum geht, „die Angst vor der Wahrheit zu verlieren“. Autorin Kirsten Annette Vogel ist Supervisorin und Leiterin eines Instituts für Medienprofis in Köln. Als Journalistin, Trainerin, Coach und Supervisorin begleitet sie Führungskräfte in den Medien in ihrer beruflichen Entwicklung. Erkenntnisse über Führung, Führenlassen und spannende Perspektivwechsel. Verlag Oberauer, Salzburg 2010.
http://www.oberauer.com

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