ITZ-mehrWERT: Trauma und Journalismus

jfn. Unfall, Brand, Verbrechen: Sie gehören zum Alltag der Journalistinnen und Journalisten in Lokalredaktionen. Doch wie verarbeiten die Berichterstatter das Erlebte emotional? Das ITZ-Themenspezial 3/2007 widmete sich Problemen und Risiken und stellte berufstypische Erkenntnisse aus der Psychologie vor: TRAUMA UND JOURNALISMUS



ITZ-mehrWERT: Außendarstellung

jfn. Mehr Mut zur Selbstdarstellung – damit befasste sich das ITZ-Themenspezial 2/2007. Boggerinnen und Blogger machen es vor: den Dialog auf Augenhöhe in Chats Foren und Communities. Selbstbewusst, spontan und locker war die Tonalität. Von dieser „Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache“ konnten auch Printprofis lernen: AUßENDARSTELLUNG VON REDAKTIONEN UND VERLAGEN

Voll auf die Presse

ssd. Verlage verdienen weniger Geld, Redaktionen werden geschrumpft, das Internet produziert neue Spielregeln, die Leserinnen und Leser wollen mitreden. Harte Zeiten für den Journalismus, der mit existenziellen Problemen kämpft. Mitten in die Diskussionen ums Geld schwappt eine Glaubwürdigkeitskrise übers Land. In den sozialen Medien sind Beschimpfungen und Verschwörungstheorien an der Tagesordnung. Da wird drauflosspekuliert, dass verlogene, korrupte und gemeine Journalisten die Medien beherrschen.
Ausgerechnet ein Top-Politiker macht sich Sorgen über eine Schwächung des Journalismus. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat bei der Verleihung der „LeadAwards 2014“ am 14. November in Hamburg Klartext gesprochen. Am Tag darauf krönte eine gekürzte Fassung seiner Rede die erste Seite des FAZ Feuilletons.

Qualität, Relevanz und Vielfalt
Liebevoll aber deutlich kritisiert Steinmeier einen Berufsstand, den er nicht missen möchte, denn: „Wir brauchen sie, die kritischen, fundierten, relevanten Berichte.“ Aber auch: „Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch.“

Was tun, um aus der Krise zu kommen? „Mit Sparen allein wird das nicht gehen. Wichtiger ist vielleicht, sich auf das Fundament des Erfolgs zu besinnen: Qualität, Relevanz und Vielfalt. Es geht um die richtigen Prioritäten. Das heißt: Journalismus zuerst!“

Das ultimative Rezept ist das natürlich nicht, aber es tut gut: „Es muss alles getan werden, damit Journalisten weiterhin gute Arbeit leisten können. Die Medienwirtschaft ist keine Branche wie jede andere. Deshalb hoffe und vertraue ich darauf, dass die Presse die aktuellen Krisen meistert. Wir brauchen sie!“
LEAD ACADEMY für Medien e. V.

Kreativer Aderlass
Ins gleiche Horn tutet Ingrid Kolb, von 1995 bis 2006 als Nachfolgerin von Wolf Schneider Leiterin der Henri-Nannen-Journalistenschule von Gruner + Jahr. Die 73-Jährige hat einen Brief an die Vorstandsvorsitzende des Verlags, Julia Jäkel, geschrieben. Sie kritisiert die Entlassung von 25 Redakteurinnen und Redakteuren bei „Geo“ und „Brigitte“ – die erfolgreichsten Magazine und Zeitungen würden schließlich von Menschen gemacht, die sich mit ihrem Blatt identifizieren. Bei der „Brigitte“ soll das schreibende Personal gen Null reduziert werden. Kolbe zornig: „Genauso gut könnte die Lufthansa sagen: Fliegende Piloten entfallen.“

Verlagschefin Jäkel hat jetzt Zeit genug, an der Neuausrichtung des Verlags zu arbeiten, der Anfang November 2014 komplett von Bertelsmann übernommen worden ist. Ihr Vertrag wurde um fünf Jahre verlängert. Sie und ihre Vorstandskollegen Oliver Radtke und Stephan Schäfer werden dann allerdings Geschäftsführer, Julia Jäkel Vorsitzende der Geschäftsführung. Denn G+J wird in eine GmbH & Co. KG. umgewandelt.

Applaus und Aufbruch

jfn. Was genau interessiert die Leserinnen und Leser einer Zeitung? Welche Artikel werden vollständig gelesen, wo steigen Leserinnen und Leser aus? Gibt es gar Unterschiede bei Frauen und Männern?

Als erste deutsche Tageszeitung entschied sich die Main-Post in den Jahren 2004/05, mit dem damals innovativen Verfahren ReaderScan das Nutzungsverhalten zu ergründen. Bei der 3. ITZ Zukunftswerkstatt „Weg mit den Quotenkillern – der gescannte Leser“, die am 25. September 2007 in Würzburg stattfand, erläuterte der stellvertretende Chefredakteur Anton Sahlender nicht nur das Verfahren, sondern zeigt auch auf, wie die Erkenntnisse im Redaktionsalltag genutzt werden können. „ReaderScan ist kein Laborversuch, sondern etwas sehr Realistisches. Und ReaderScan hat etwas sehr Schönes: Endlich bekommt der Journalist den Applaus der Leser.“

Die in der Schweiz von Carlo Imboden entwickelte ReaderScan-Methode arbeitet mit einer ausgewählten Anzahl von Lesern, die mit einem speziellen Scanner-Stift die Stellen markieren, an denen sie aus der Lektüre der Artikel aussteigen. Die Scans werden per Handy direkt in eine Datenbank übertragen und ausgewertet. Die Redaktionen können die Ergebnisse abrufen.

Die Auswertung der Leser-Scans zeigte, dass die Leserschaft der Main-Post gute lesbare Texte – die durchaus lang sein dürfen – und gute Fotos schätzt. Ein Teil der Ergebnisse überraschte: Leserinnen und Leser stiegen schnell aus, wenn ein Text mit einem Zitat anfing. Sie verweigerten sich feuilletonistisch formulierten Überschriften. Zwischenüberschriften luden nicht zum Quereinstieg in den Text, sondern eher zum Ausstieg aus dem Text ein.

„Die Zukunft liegt im Lokalen“ bestätigte Anton Sahlender bei der ITZ Zukunftswerkstatt, „aber das Überregionale darf nicht vernachlässigt werden.“ Was am Vortag im Fernsehen berichtet worden sei, „wird am nächsten Tag vom Leser verlangt.“ Natürlich sei es wünschenswert, das Thema mit einem lokalen Bezug zu versehen. „Wenn Sie nicht auch die Massenthemen berücksichtigen, besteht die Gefahr, dass die Leserbindung schwindet.“
Die vollständige Dokumentation steht auf der Website der Initiative Tageszeitung.

Rückschläge und Fortschritte

ssd. Only bad news are good news. Wenn dieses Gesetz zur Erzeugung medialer Aufmerksamkeit tatsächlich stimmen sollte, dann hätten die gedruckten Medien ein fulminantes Jahr erlebt.

Die „Westfälische Rundschau“ wurde von der Funke Mediengruppe Ende September 2014 in ein Insolvenzverfahren in Eigenregie geschickt. Das „Darmstädter Echo“ machte Schlagzeilen mit der Streichung jeder zweiten Stelle. Von rund 300 Vollzeitstellen bleiben lediglich 140 erhalten. Selbst die „FAZ“ kündigte massive Sparprogramme an: 160 Stellen im Verlag, 40 in den Redaktionen sollen gestrichen werden. In der Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) soll das Programm „Perspektive Wachstum“ greifen, das offenbar darauf zielt, bestimmte Verlagsfunktionen konzernweit zu konzentrieren. Zunächst aber bedeutet das Stellenstreichungen.

Redaktionen ohne Redakteure
Der Jahreszeitenverlag hat es bei seinen Zeitschriften längst vorgemacht und Blattmacherteams und Servicegruppen eingerichtet. Bei Gruner + Jahr gibt es jetzt betriebsbedingte Kündigungen aller schreibenden Redakteurinnen und Redakteure, auch „Geo“, „Geo Saison“ und „Geo Spezial“ sind betroffen. Texte sollen künftig über Autorenpools eingekauft werden. Der Hamburger Verlag, der im Oktober 2014 komplett in das Eigentum von Bertelsmann gelangt ist, will in den kommenden Jahren bis zu 400 Stellen streichen und 75 Millionen Euro einsparen.

Wo einst Publizisten wirkten, haben jetzt Manager das Sagen, beklagte am 12. Oktober 2014 in der „Welt am Sonntag“ die Enkelin von „Stern“-Gründer Henri Nannen die – aus ihrer Sicht – aktuelle Gefährdung des Journalismus. Und: „Vielleicht ist der Gedanke, Bertelsmann könne G+J filetieren und Teile verkaufen, gar keine Drohung, sondern eine Verheißung? … Vielleicht müssen Marken wieder individuell gepflegt werden. Vielleicht muss man sie persönlich nehmen.“
Alles nicht gut genug?

Der langjährige „Spiegel“-Chefredakteurin Stefan Aust, jetzt Herausgeber der „Welt“, kritisierte, dass einige Verlage noch so getan hätten, als gehe die Medienkrise an ihnen vorüber: „Nicht der Journalismus ist dabei im Kern betroffen, aber es wird für einige Bereiche das Transportmittel und die Art der Finanzierung gewechselt. Wer jetzt laut jammert, hat nicht begriffen, dass das Geschäftsmodell im Erarbeiten und Verbreiten von guten Inhalten besteht und nicht darin, Papier zu bedrucken.“ Gregor Vogelsang, Geschäftsführer der Burda Magazine Holding, assistiert im kress Mediendienst: „Ich halte es für blanken Unsinn, dass die Leute für Inhalte nicht zahlen … Es kann auch einfach daran liegen, dass unsere Angebote nicht gut genug sind.“

Dynamik bei Online-Bezahlmodellen
Wenden wir uns den guten Nachrichten zu. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger listet Anfang November 2014 immerhin 100 Online-Bezahlangebote von 351 Tageszeitungen auf. Jüngster Zugang ist die „Nordwest-Zeitung“ in Oldenburg.

„Wir wollen für alle relevanten regionalen Themen der Platzhirsch sein“, begründet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ ihr intensives Engagement im Mobile-Markt. Interessant: die Campus-App für Studierende. Die „Stuttgarter Zeitung“ experimentiert seit September mit der App „S-Vibe“.

Innovationen und spannende Ideen
Die „Zeit“ will uns ab März 2015 viermal im Jahr mit einem neuen Finanzmagazin beglücken. Die „FAZ“ wird ihr Magazin 2015 jeden zweiten Samstag im Monat erscheinen lassen. Bei der „Rheinischen Post“ ist eine Zeitung „Die Wirtschaft in NRW“ in Arbeit. In Berlin ist seit Oktober ein neues Magazin „Unser Berlin. Fotos erzählen Stadtgeschichte(n)“ auf dem Markt. Der „Berliner Kurier“ füllt Seiten mit den Fotos seiner Leserinnen und Leser. In Köln wagt sich DuMont mit der Nachmittagszeitung „XTRA“ an jüngere Leserinnen und Leser zwischen 19 und 39.

Und dann noch diese gute Nachricht: Aldi Süd will wieder in der der Tagespresse werben. Und wenn gar nichts mehr hilft, kommt die ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft aus der Kiste: Wer langsamer wirbt, wirkt stärker, behauptet die neue Fachkampagne. Diesen Begriff muss man sich aber nicht merken: „Slo-vertising“ wird die neue Werbelangsamkeit genannt. Wir lernen: „Kommunikative Ruhe- und Konzentrationszentren“ haben auch ihren Reiz. Wer’s glauben mag: „Zeitungswerbung ist keine flüchtige Randnotiz, sondern verankert Botschaften nachhaltig im Gehirn“.

Konzentration und Reflexion: In diesem Sinne durchforsten wir noch einmal das ITZ Archiv.

2. Runde für das ITZ Archiv

ssd. Pustekuchen – es gibt uns noch! In dieser Woche starten wir die zweite Runde der Auswertung des ITZ Archivs. Gleichzeitig nutzen wir diese Plattform, um Aktuelles aus der Welt der Zeitungen zu kommentieren.
Der Blog http://www.pustekuchen-medien.org wurde am 15. Dezember 2013 gestartet. Aufgabe ist es, das Archiv der ITZ Initiative Tageszeitung (www.initiative-tageszeitung.de) auszuwerten und für die journalistische Debatte und Verwertung aufzubereiten. Ziel ist es insbesondere, Konzepte und Rezepte aus 25 Jahren ITZ verfügbar zu machen und für die Zukunft zu sichern.

Wer wir sind
ssd. Susanne Schaefer-Dieterle, Jahrgang 1954, kennt das Mediengeschäft seit 1973. Die ehemalige Lokalredakteurin, Redaktionsleiterin in Tageszeitungen, Fachjournalistin und Chefredakteurin von HORIZONT ist Stellvertretende Vorsitzende der ITZ Initiative Tageszeitung. Seit 1993 führt sie ein eigenes Unternehmen in Bielefeld: http://www.ssd-kommunikation.de

jfn. Julia F. Negri, Jahrgang 1975, arbeitete während ihres Studiums der Germanistik, Anglistik und Psychologie als freie Mitarbeiterin bei Zeitung und Radio. Nach Abschluss war sie sieben Jahre als PR-Redakteurin in zwei Agenturen tätig, bevor sie 2008 in die Kommunikationsabteilung der Schweizer SV Group wechselte. Dort fungierte Julia Negri zuletzt als Mediensprecherin, bevor sie sich im Januar 2014 in Bielefeld selbstständig machte. Die fachlich geprüfte PR-Beraterin (DPRG) kennt die Ansprüche sowohl der Medien als auch der Absender von PR Botschaften. http://www.negri-comm.de

Im Tal der Ahnungslosen

ssd. Oft verstehen sich Print- und Online-Redaktionen nicht – „Dünkel der Tradition gegen Arroganz des Fortschritts“, kommentieren der stellvertretende Zeit-Chefredakteur Bernd Ulrich und sein Kollege bei Zeit Online, Chefredakteur Jochen Wegner.
Beide haben sich mit dem „Riss“ beschäftigt, der durch deutsche Redaktionen gehe. Gestandene Print-Leute kritisieren die kessen Onliner. Ihr Pech: Zahlreiche Online-Angebote von gut gemachten Zeitungen und Zeitschriften erreichen heute mehr Leserinnen und Leser als die gedruckten Ausgaben. Wiederum: Print verdient immer noch deutlich mehr als Digital – weshalb Kapuzenpulliträger noch eine der liebevollen Bezeichnungen der Grauen für die eher Jüngeren ist. (Tipp: Wer an der Personalerfront mitreden will, darf auch gerne von „Hoodiejournalisten als High-Potentials“ schwadronieren…)
Die Zeit Chefs jedenfalls haben miteinander geredet und 12 interessante Thesen zu Print und Online auf den Weg gebracht. Beeindruckend die These 4: „Print-Journalisten haben keine Ahnung von der Zukunft der Medien. Online-Journalisten aber auch nicht.“
Nachlesen und Mitdenken lohnt sich: http://www.zeit.de/2014/14/print-online-redaktion-thesen-journalismus/komplettansicht

 

Good news und beste Jahre

ssd. Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus der Welt der Zeitungen. Das Rheingold-Institut (www.rheingold-marktforschung.de) hat im Auftrag der ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft (www.die-zeitungen.de) eine qualitative Studie veröffentlicht. Tenor: Auch im Netz schenken die User den Zeitungsangeboten besonders großes Vertrauen.
Rheingold-Mann Jens Lönneker kommentiert: „Den Zeitungen gelingt durch ihren Internetauftritt der Sprung in die Zukunft des modernen Alltags. Sie punkten mit ihren klassischen Qualitäten wie Glaubwürdigkeit, Seriosität und Gründlichkeit. Aber zugleich optimieren sie ihren Auftritt in wichtigen Dimensionen wie Aktualität, Emotionalität, schnelle Zwischendurch-Nutzung.“
Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart legt noch einen drauf. Die besten Jahre kommen erst noch, verspricht er seinen Journalistenkollegen in den Chefredaktionen, die sich auf Einladung von BDZV und ZV-Akademie in Berlin zusammenrauften. Print-Sterben: bitte vergessen. Stattdessen: Konzentration auf die Chancen der Digitalisierung und das „Handelsblatt“ als Vorbild nehmen – gedruckte Ausgabe plus sieben Verwertungsformen.
Die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, die an der Universität St. Gallen forscht und lehrt, hat zum 25. Geburtstag der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten (www.holtzbrinck-schule.de) erklärt, warum „Biojournalismus“ für die Zukunft der Branche steht. Journalismus, von Menschenkopf gedacht und gemacht – statt automatisierter Journalismus, der Texte durch Algorithmen erzeugt. http://www.miriammeckel.de

Digital führend

ssd. Bilanzpressekonferenzen sind häufig spannender als viele meinen. Für Medienunternehmen gilt das erst recht, weil zu diesen Anlässen Entwicklungen skizziert werden, die für die gesamte Branche Bedeutung haben. Und es lohnt sich fast immer, nachzulesen, was der Vorstandsvorsitzende (unterstellt, es ist noch derselbe) im Vorjahr gesagt hat.
Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG am 6. März 2013: „Das Jahr 2012 markiert für Axel Springer eine Zeitenwende: Erstmals haben wir mit den Digitalen Medien mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielt, das ist mehr als mit jedem anderen Geschäftsbereich. Wir wachsen dabei profitabel und erreichen höhere Margen als früher. Aus dieser starken Position werden wir die Digitalisierung unseres Geschäfts noch schneller und energischer vorantreiben. Wir wollen den digitalen Umbau des gesamten Unternehmens deutlich forcieren, um unsere Position als Vorreiter der Digitalisierung weiter auszubauen. Wir wollen Innovationen beschleunigen, die Effizienz des eingesetzten Kapitals weiter erhöhen und den tiefgreifenden strukturellen Wandel der Medienbranche gestalten. Auch wenn die Printmedien noch lange einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg liefern werden, ist unser Ziel klar: Wir wollen das führende digitale Medienunternehmen werden.“

Aufbruch in die Zukunft des digitalen Journalismus
Ein Jahr später, am 6. März 2014, bilanziert Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE: „2013 war für Axel Springer ein Jahr des Wandels, des Umbruchs und des Aufbruchs. Soviel Veränderung war nie! Wir haben ein Jahr des Umbaus und erheblicher Zukunftsinvestitionen angekündigt und dafür auch ein rückläufiges Konzernergebnis in Kauf genommen. Der Aufbruch in die Zukunft des digitalen Journalismus ist uns gelungen, jetzt kommt es darauf an, dass wir in den nächsten Jahren diese Weichenstellungen und strategischen Entscheidungen auf dem Weg zum führenden digitalen Verlag mit voller Kraft umsetzen.“
Mitte Dezember 2013 hatte Axel Springer den Erwerb des Nachrichtensenders N24 angekündigt. Im Februar 2014 wurde der Kauf abgeschlossen. DIE WELT und N24 sollen „als führendes Nachrichtenunternehmen für Qualitätsjournalismus im deutschsprachigen Raum“ etabliert werden. Bei den inländischen Bezahlangeboten richtete sich das Unternehmen konsequent auf die multimedialen Kernmarken BILD und DIE WELT aus. Und: 2013 hat Axel Springer den Verkauf der inländischen Regionalzeitungen sowie der Programm- und Frauenzeitschriften an die FUNKE MEDIENGRUPPE bekannt gegeben. Außerdem wurde vereinbart, Gemeinschaftsunternehmen für Vermarktung und Vertrieb von gedruckten und digitalen Medienangeboten zu gründen.
Der Konzern hat die Geschäftsaktivitäten jetzt in drei operativen Segmenten gebündelt: Bezahlangebote, Vermarktungsangebote und Rubrikenangebote. Hinzu kommt das Segment Services/Holding.

Presseinformation, die Konzern-Kennzahlen und der Geschäftsbericht 2013 stehen hier: www.axelspringer.de/bilanz13

Neue Ideen und innovativer Ehrgeiz

ssd. „Raus aus der Routine!“  So lautete der Titel eines Interviews mit Heinrich Meyer, Vorsitzender der ITZ Initiative Tageszeitung im „medium magazin“, Ausgabe 6/2007. Anlass war der Start der Workshop-Reihe mit jungen Journalistinnen und Journalisten. Die ITZ Zukunftswerkstatt „Zeitung 2011“ sollte Anregungen für die Diskussion über Themen geben, die die Zeitungshäuser seit Jahren beschäftigen. Meyers Einschätzung: „Wenn wir die Diskussionen der letzten Jahrzehnte werten, müssen wir zu der Erkenntnis kommen, dass oft die gleichen Fragen gestellt worden sind und – mit leichten Variationen – die gleichen Antworten gegeben wurden.“

Im Jahr 2014 sind einige Themen aktuell wie nie, etwa das Thema Alter und Demografie. Auszüge aus dem Gespräch von 2007:

Auch die Alternsstruktur in den Redaktionen wird seit Jahren mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen.
Heinrich Meyer: Ein großes Problem mit Blick auf die jungen Leserinnen und Leser. Wir haben nahezu in allen Zeitungshäusern einen Altersdurchschnitt, der in etwa dem der Leser entspricht. Wenn aber eine Redaktion gemeinsam mit ihren Lesern alt wird, woher sollen dann neue Ideen und der innovative Ehrgeiz kommen?
Gründe für diese Entwicklung gibt es bekanntlich viele. In den Verlagen, speziell in den Redaktionen, hat es häufig keine konsequente Personalentwicklung gegeben. Auch die Weiterbildung ist oft nicht optimal organisiert. Hinzu kommt der Eindruck, dass viele Redakteurinnen und Redakteure durchaus weiterbildungsresistent sind.
Nicht wenige in diesem Beruf neigen gelegentlich dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Besonders deutlich wird das immer, wenn ein Redakteur aus dem Team heraus in eine Führungsposition berufen wird. Hier müssen beide Seiten aktiv werden: Die Verlage müssen potenziellen Führungskräften geeignete Trainings anbieten. Und die Redaktionsleiter von morgen sollten zur Kenntnis nehmen, dass Chef-Sein harte Arbeit ist, für deren Erfolg man viel lernen muss.

Vielleicht war es auch ein Fehler, dass jahrelang nur Frauen und Männer mit Mitte, Ende 20 und einem abgeschlossenen Hochschulstudium die Chance auf ein Volontariat hatten.
Heinrich Meyer: Auch hier brauchen wir die richtige Mischung. Wir brauchen die Jungen, die voller Leidenschaft ihre Arbeit in der Lokalredaktion machen, die ihre Sicht auf relevante Themen einbringen.

Müssen die Zeitungen verstärkt „Leserreporter” einsetzen und auf „User Generated Content” setzen?
Heinrich Meyer: Dies kann allenfalls eine ergänzende Funktion haben im Sinne eines zusätzlichen und schnelleren Themenangebots. Aber auch hier bleibt die Redaktion in der Verantwortung. Auch Veröffentlichungen aus diesem Angebot müssen den redaktionellen Qualitätskriterien genügen.
Ich sehe die traditionellen Medienmacher nicht bedroht, solange sie auf Qualitätsjournalismus setzen. Kompetenz und Glaubwürdigkeit, die mit Zeitungen verbunden werden, sind die Basis für eine Strategie, die auch in der digitalen Zukunft Erfolg haben wird. Genau wie in anderen Branchen müssen die Verlage jetzt darauf achten, dass ihnen nicht die besten Leute abhanden kommen – sei es durch Abwanderung in vermeintlich attraktivere Medien oder durch innere Kündigung. Wir müssen es schaffen, das Wissen und die Erfahrung der Älteren besser zu nutzen und gleichzeitig die Jungen ranzulassen, natürlich auch in Führungspositionen.
Vielleicht sind neue Wege und neue Methoden nur durch zeitlich begrenzte Rotationen durchzusetzen. Und wir müssen aufpassen, dass die Alten nicht gleich dafür sorgen, dass die Jungen genau das machen, was sie selbst schon immer getan haben. Die Sozialisierungsgeschwindigkeit in den Redaktionen ist manchmal schon erstaunlich.